Tom Speck scheidet Ende März nach 25 Jahren Mitarbeit bei und für die GEPA aus dem Unternehmen aus. Foto: Gundis Jansen-Garz

Welt&Handel im Gespräch mit Tom Speck

Die GEPA hat sich von einem kleinen enga¬gierten und ideologisch geprägten Unter¬nehmen zu einem der bedeutendsten Im¬portorganisationen des Fairen Handels in Europa gemausert. Auch die Weltläden sind in den vergangenen vier Jahrzehnten aus ihrer berühmten Ni¬sche rausgekommen. GEPA und Weltläden – eine besondere Be¬ziehung! Mit zum Erfolg beigetragen hat auch der langjährige Geschäftsführer der GEPA, Thomas Speck. Er wird das Unternehmen in Kürze verlassen. Für Welt&Handel hat er seine Sicht der Dinge erläutert.

1. W&H: Herr Speck, 25 Jahre bei der GEPA sind sicher eine lange und auch aufregende Zeit. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

 

Thomas Speck: Das ungebrochene, langjährige und nicht nachlassende Engagement der vielen ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen in den Aktionsgruppen und Weltläden war für mich immer wieder beeindruckend. Im Laufe der Jahre habe ich natürlich viele Weltläden und Gruppen besucht und auch wenn die Mitarbeitenden selbst langsam in die Jahre kommen, so lässt ihr Engagement für den Fairen Handel nicht nach.

 

2. W&H: Wie hat sich der Faire Handel in 25 Jahren verändert?

 

Thomas Speck: Der Faire Handel hat sich enorm verändert. Als ich 1990 bei der GEPA angefangen habe, war bereits ein Aufbruch zu spüren. Ein Jahr zuvor gab es innerhalb der GEPA die Diskussion um eine Handelsausweitung. Da hieß es „Raus aus der Nische“, der Faire Handel soll mehr Menschen erreichen und mehr Handelspartner sollen vom Fairen Handel profitieren. Mit Einführung der GEPA-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel und der Siegelung der Produkte kamen neue Aufgaben auf den Fairen Handel zu. Auch neue Teilnehmer und neue Märkte haben entscheidend an der Veränderung des Fairen Handels mitgewirkt. Diese Veränderung beurteile ich in erster Linie als sehr positiv und zukunftsweisend.

Und ich bin mir sicher, der Faire Handel hatte auch eine indirekte Wirkung: Nie zuvor haben sich Unternehmen mit Themen wie Sozialverträglichkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit befasst. Vor rund 25 Jahren war das in Augen der Wirtschaft Sache von Politik und NROs. Das war die Zeit, als der Faire Handel und damit auch die GEPA einen Dialog in Gang gesetzt haben. Heute kommt kein großes Unternehmen mehr daran vorbei, sich diesen Themen zu stellen. Was intern dahinter steckt und was daraus gemacht wird, steht oftmals auf einem anderen Blatt.

 

3. W&H:  Sie kamen seinerzeit aus der Wirtschaft zur GEPA, mit Wurzeln in der   

politischen 1968er Bewegung. Gab es Parallelen zum Fairen Handel?

 

Thomas Speck: Ja, so gesehen bin ich nach einem Abstecher in einem großen Unternehmen zurück zu meinen Wurzeln gekommen. Fairer Handel und Studentenbewegung haben eine ähnliche Entstehungsgeschichte. Ich habe damals in meiner Kirchengemeinde mit Gleichgesinnten für Diskussionen über kritischen Konsum gesorgt. Es gab vor allem in der Weihnachtszeit eine Auseinandersetzung zu Fragen nach Sinn und Unsinn von Konsum. In dieser Zeit haben sich die Kirchengemeinden und Studenten wechselseitig inspiriert.

 

4. W&H: Was wünschen Sie ihren beiden verbleibenden Geschäftsführer-Kollegen?

 

Thomas Speck: Ich denke, die Rollen sind sehr gut verteilt und ich wünsche ihnen ein gutes Händchen für zwei Dinge:

+          dass die GEPA handelsfähig bleibt und

+          dass sie zukunftsfähig ist

Wenn die GEPA sich auf ihren Markenkern und ihr Profil konzentriert und gleichzeitig gut wirtschaftet, bin ich zuversichtlich, dass es noch weitere 40 Jahre GEPA geben kann. Eine Firma, die sich so sehr von anderen unterscheidet, muss ihren Charakter immer im Blick halten. Die GEPA sollte ihre Rolle als Avantgarde behalten und Dinge vorantreiben. Die Weltläden und Gruppen verändern sich auch im Laufe der Zeit. Da ist die GEPA gefragt, neue Wege für Ehrenamtlichkeit zu finden und zu gehen.

 

5. W&H: Kommt beruflich etwas nach der GEPA?

 

Thomas Speck: Nein, zunächst einmal ist da nichts Konkretes geplant. Ich werde mich auf mein Privatleben konzentrieren und Dinge tun, die ich immer schon einmal machen wollte. Viel Reisen zum Beispiel. Was dann noch kommt, mal sehen!

 

6. W&H: Hat der FH Sie persönlich verändert?

 

Thomas Speck: Wenn man in einer Firma wie der GEPA arbeitet, führt das immer dazu, dass man auch persönlich daran teilnimmt. Wir haben andere Identifizierungen, lernen viele Menschen kennen und kommen mit Feldern und Themen in Berührung, die eine Persönlichkeit auch schon einmal verändern kann. Ja, ich glaube schon, dass mich der Faire Handel geprägt hat.

 

7. W&H: Bleiben Sie dem FH treu? Wenn ja, wie?

 

Thomas Speck: Auf jeden Fall – als Kunde und Verbraucher. Ich plane jedoch keine weiteren Tätigkeiten im Fairen Handel, möchte mich nicht einmischen. Vielleicht in einigen Jahren wieder, aber erstmal möchte ich andere Dinge tun.

 

Welt&Handel wünscht Ihnen alles Gute in Ihrem privaten und beruflichen Weg. Vielen Dank für die vielen guten und interessanten Begegnungen, Diskussionen und die Unterstützung, die Sie Welt&Handel entgegen gebracht haben.

Das Gespräch führte Gundis Jansen-Garz.

 

 

 


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