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MISEREOR unterstützt die Haltung von Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise

In ihrem Umgang mit der Flüchtlingskrise hat das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR Bundeskanzlerin Angela Merkel den Rücken gestärkt. „Ja, unserem Land wird derzeit mit der anhaltend hohen Zahl an Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, Einiges abverlangt“, sagte MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Donnerstag in Aachen.

„Es gibt nicht wenige unter uns, die dies allmählich als unerträgliche Zumutung verstehen und Katastrophenszenarien am Horizont sehen, die nach Notwehr rufen. Und doch muss auch Deutschland begreifen, dass es nun in der Wirklichkeit der Folgen von Flucht, Vertreibung und Not angekommen ist - aber ungleich bessere Voraussetzungen zu ihrer Bewältigung hat, als die armen Länder, die weltweit nach wie vor den Löwenanteil der Aufgabe zu schultern haben.“ Bröckelmann-Simon forderte dazu auf, diesen Perspektivwechsel bereitwillig anzunehmen. „Dann können wir auch überzeugter und mit gutem Recht sagen: Wir schaffen das“, erklärte der MISEREOR-Geschäftsführer.

Er sehe mit großer Freude, dass sich in Deutschland viele Menschen - zum Teil zum ersten Mal in ihrem Leben - mit globalen Themen auseinandersetzten, sagte Bröckelmann-Simon. Es gebe auch ein gestiegenes Interesse an Bildungsveranstaltungen zum Thema, es werde von Staat und unzähligen Ehrenamtlichen in der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen Großartiges geleistet. „Auch das zeigt, dass wir es schaffen können, die derzeitige Situation gut zu bewältigen.“ MISEREOR leiste mit seiner umfassenden Arbeit zur Verbesserung der Lebenssituation in Herkunftsländern von Flüchtlingen hierzu ebenfalls einen wichtigen Beitrag.

Nein zu Grenzzäunen und Abschreckung

Bröckelmann-Simon erteilte einer Politik von Grenzzäunen, Mauern, Abschottung und Abschreckung eine deutliche Absage. „Wer sich dies wünscht, unterschätzt zum einen vollkommen die Antriebskräfte von Verzweiflung und Not, die hinter dem ersten Schritt in die Flucht stehen und will zum anderen nicht wahrhaben, wie eng unsere Schicksale auf diesem Globus heute politisch, wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich miteinander verwoben sind.“ Der MISEREOR-Geschäftsführer erinnerte daran, dass die Hauptlast der weltweiten Flüchtlingsbewegungen von weitaus ärmeren Ländern als Deutschland getragen werde. So habe etwa Äthiopien im vergangenen Jahr 440 Flüchtlinge pro US-Dollar Bruttosozialprodukt pro Kopf  beherbergt, Pakistan 316, der Tschad 203 und Kenia 190 Menschen. In Deutschland wären es dagegen auch unter Hinzurechnung der für dieses Jahr erwarteten eine Million Zuflucht suchenden Menschen Ende 2015 lediglich 33 Flüchtlinge pro US-Dollar Bruttosozialprodukt pro Kopf.

Das Bild von der „Überflutung“ ist falsch

„Ebenso relativiert ein Vergleich der Pro-Kopf-Zahlen an Flüchtlingsbevölkerung das bei uns hartnäckig sich haltende Bild der 'Überflutung'“, sagte Bröckelmann-Simon. So kämen im Libanon auf 1000 Einwohner 232 Flüchtlinge, in Jordanien 87 und im Tschad 34. In Deutschland wären es zum Ende des Jahres 2015 trotz der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen nur 18 pro 1000 Einwohner.

„Dabei sind die Probleme, die mit der Bewältigung von Flüchtlingszuwanderung einhergehen, weltweit absolut die gleichen: auch der Tschad steht vor der Frage der Überlastung seiner Bildungs- und Gesundheitssysteme, im Libanon herrscht wachsender Druck auf dem Niedriglohn-Arbeitsmarkt, in Kenia gibt es eine Zunahme von ethnischen und/oder religiösen Spannungen, in Äthiopien einen Zuwachs an provisorischen Elendsbehausungen und in Irakisch-Kurdistan einen Import gewaltsamer Konflikte“, erläuterte der MISEREOR-Geschäftsführer.

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