Welt und Handel: Dr. Bronner’s - mehr als nur Seife

Dr. Bronner’s - mehr als nur Seife

Das US-Unternehmen mit deutschen Wurzeln ist WFTO-Mitglied und das wohl älteste Fairtrade-Unternehmen der Welt

„We are All-One or None! Mit Dr. Bronner’s Magic Soap kannst Du jeden Tag dazu beitragen, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen“ – lautet der Slogan des Kosmetikunternehmens. Bio, vegan und Fair ist die Naturkosmetik, die seit einigen Jahren bereits bei der GEPA im Sortiment ist, in zahlreichen Bioläden und namhaften Drogerieketten verkauft wird und seit kurzem zu den Mitgliedern der WFTO zählt. Doch wer steckt hinter diesem Unternehmen, was hat es mit den auffälligen Etiketten der Produkte auf sich und warum sind sie so erfolgreich? Welt&Handel hat nachgefragt.

Die Vorfahren des Gründers von Dr. Bronner’s nahmen im schwäbischen Laupheim bei Ulm im Jahr 1858 die erste Seifenmanufaktur in Betrieb. Zwischen 1880 und 1890 expandierte das Familienunternehmen und eröffnete eine größere Fabrik in Heilbronn, die schon damals die ersten Flüssigseifen herstellte. 1908 wurde Emanuel Heilbronner geboren und lernte, ganz der Familientradition verpflichtet, in dritter Generation das Seifenhandwerk. Um seine eigenen Ideen zur Seifenherstellung zu verwirklichen, emigrierte Emanuel Heilbronner 1929 in die USA, im Gepäck die Rezepturen der qualitativ hochwertigen Stück- und Flüssigseifen des Familienbetriebs. Aus Protest gegen die Nationalsozialisten strich Emil das „Heil“ aus seinem Nachnamen. Seine beiden Schwestern wanderten in den 30-er Jahren ebenfalls rechtzeitig aus Deutschland aus, die Eltern sterben jedoch in den Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt. 1948 schließlich gründete Emanuel Bronner den Vorläufer der heutigen Firma „Dr. Bronner’s Magic Soaps“ und begann mit der Herstellung seiner berühmten Pfefferminzseifen. Später druckte er seine Philosophie auf die Flaschenetiketten, wo sie auch heute noch in kaum veränderter Form zu lesen sind. Die zunächst kleine, aber treue Anhängerschaft der Seifen wuchs in den späten Sechzigern rasant an, als ein regelrechter Boom der Dr. Bronner’s Seifen begann. Beinahe nur durch Mundpropaganda wurden sie in den USA zu Kultseifen ihrer Zeit und waren bald darauf in allen Bioläden erhältlich. Die Inhaltsstoffe der Produkte sind im wesentlichen Alkohol und Palmkernöl (aus Ecuador), Palmöl aus Ghana, Minzöl aus Indien, Olivenöl aus Palästina und Israel, Avocado, Teebaumöl und Kokosöl aus Kenia sowie Zucker aus Paraguay. Diese naturbelassenen Bioprodukte werden aus Rohstoffen hergestellt, die ohne Einsatz von Chemie angebaut werden. Im Jahr 2007 hat Dr. Bronner in Ghana die Kokos- und Palmölproduktion Serendipalm aufgebaut, von der auch die GEPA, Rapunzel und andere das fair gehandelte und ökologisch angebaute Öl beziehen. Die Unternehmenszentrale verfügt über eine sogenannte 1:5 Regel: Das Management verdient maximal 5-mal so viel wie der Angestellte, der am wenigsten verdient. Diese Handhabung führt dazu, dass dieser 25 Prozent mehr als den üblichen Lohn auf dem US-Arbeitsmarkt erhält.

Die Übernahme sozialer Verantwortung gehört für das Familienunternehmen zur Unternehmensidentität. Neben den fair gehandelten Rohstoffen und verantwortungsvollen Anstellungsbedingungen für die Mitarbeiter, wird der verbliebene Teil des Gewinns in wohltätige Zwecke investiert (z.B. die Unterstützung Jugendlicher und sozial Bedürftige). „Fair Trade, das bedeutet, an infrastrukturell schwachen Orten landwirtschaftliche Projekte mit Rohstoffverarbeitung aufzubauen, die sich in der Folge eigenständig unter lokalem Management entwickeln können“, sagt Robin Jügel von der deutschen Niederlassung in Neuss. „Die Mitgliedschaft in der WFTO war und ist ein wichtiger Schritt für uns. Zuletzt waren Vertreter*innen in Indien auf der internationalen WFTO-Konferenz zugegen.“ Dr. Bronner’s erfüllt mit Hilfe der Zertifizierungen strenge Anforderungen für die Übernahme sozialer Verantwortung, die Einhaltung der Prinzipien des Fairen Handels und einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Natur“, sagt Robin Jügel.

Gundis Jansen-Garz

 


Das Interview mit Robin Jügel

Welt & Handel: Was macht Dr. Bronner´s so besonders?

Robin Jügel: Dr. Bronner’s ist ein Unternehmen, das nunmehr seit 70 Jahren versucht, die Welt mit Seife und kosmetischen Produkten zu einem besseren Ort zu machen. Als Vorreiter und Pionier der US-amerikanischen Bio- und Fair Trade Bewegung dient die Unternehmung Dr. Bronner’s einzig und allein als Motor für den vielfältigen Aktivismus rund um die Kern-These von Dr.Bronner’s: "We are All-One – or none!’’.

Welt & Handel: Wieso Fair und Vegan?

Robin Jügel: Wenn man wie Dr.Bronner’s tatsächlich versucht, so radikal konsequent wie es irgendwie geht einen positiven Unterschied auf der Welt zu machen, führt an einer fairen Zulieferkette und einem ebenso fairen Produktionsprozess im Mutterland kein Weg vorbei. Ein Gleiches gilt für die vegane Anlegung der Produkte und einen veganen Lebensstil. Nicht nur der Umgang mit den Tieren auf dieser Welt ist dramatisch, sondern auch die Auswirkungen auf unser Klima!

Welt & Handel: Wer ist Zielgruppe? Wer nutzt die Produkte?

Robin Jügel: Die Seifen und Produkte von Dr. Bronner’s sollen für jeden Menschen verfügbar sein. Der Anspruch, das denkbar beste Produkt für die Menschen herzustellen, findet sich in jedem Schritt unseres gesamten HerstellungsProzesses wieder. Dementsprechend stellt sich für uns weniger die Frage nach einer speziellen Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen. Jeder Mensch, der etwas Gutes für sich und damit ebenfalls für die Welt auswählt, kann über die Produkte Bestandteil der Dr. Bronner’s Familie werden.

Welt & Handel: Welche Vertriebswege gibt es in Deutschland? Und warum Weltläden UND Drogeriemärkte?

Robin Jügel: Dr. Bronner’s hat aufgrund der nicht zugespitzten Anlegung auf bestimmte Zielgruppen eine weit gefächerte Distributionspolitik. Soll heißen, der Kunde eines Bioladens soll Dr. Bronner’s genauso erhalten können, wie der Besucher eines Kaufhauses. Höchste Qualität verbunden mit dem Anspruch die Welt zu verbessern, findet sowohl in den Weltläden als auch in den Drogeriemärkten seine Resonanz. Dr. Bronner’s ist dabei ein Unternehmen, das zu 100 Prozent die Struktur eines gemeinnützigen Vereins hat. Es gibt keine Gewinnausschüttung an die Familie und alle Gehälter stehen maximal in einem 5 zu 1 Verhältnis (David und MikeBronner dürfen maximal das Fünffache vom geringstbezahlten Mitarbeiter verdienen). Diese Anlegung des Unternehmens ermöglicht eine 100 Prozent Konsequenz in der besten Qualität der Produkte. Welcher Kunde, egal aus welcher Zielgruppe und welchem Vertriebskanal möchte nicht davon profitieren und sich selbst etwas Gutes tun?

Welt & Handel: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der GEPA?

Robin Jügel: Dr. Bronner’s und die GEPA sind schon seit Jahren enge Partner. Dies findet sich nicht zuletzt in der Belieferung der GEPA durch Dr. Bronner’s mit verschiedenen Inhaltsstoffen aus der eigenen Zulieferkette wieder. Der Schritt, die Distribution von Dr. Bronner’s für die Weltläden zu übernehmen, war dabei ein toller gemeinsamer nächster Schritt.

Welt & Handel: Was nehmt ihr von der WFTO-Konferenz mit?

Robin Jügel: Wir nehmen aus Indien das klare Signal mit, dass die WFTO Bewegung auf einem guten Weg in die Zukunft ist. Dies ist für uns umso wichtiger, als dass unser jahrelanger Kampf für die Einführung von tatsächlich ,,fairen’’ Standards in Produktion und Handel in ferner Zukunft einmal reduziert und befriedigt beigelegt werden könnte.

Welt & Handel: Vielen Dank für das Gespräch!

 


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