Welt und Handel: Gutes Palmöl, schlechtes Palmöl

Gutes Palmöl, schlechtes Palmöl

Das umstrittene Öl aus dem Regenwald ist auch in fair gehandelten Produkten enthalten

Palmöl ist in aller Munde – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Frisch gepresst aus der Frucht der Ölpalme sieht es orangerot aus und duftet süßlich nach Veilchen. Raffiniert und gebleicht ist es klar und hell. Es ist in fast der Hälfte aller Produkte im Supermarkt enthalten und trotzdem kauft man es nicht bewusst.

Schokolade, Kosmetik, Rasierschaumund Lippenstift – die Welt giert nach dem vielseitigen Rohstoff. Ob in Nahrungsmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kosmetikprodukten; laut WWF befindet sich das günstige Pflan-zenöl mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt. Mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamt-verbrauch ist Palmöl somit das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Es beschert
Großkonzernen riesige Gewinne und raubt Kleinbauern in vielen Fällen Land und Lebensgrundlagen. Vertreibungen, Regenwaldrodungen und Artensterben sind Folgen des industrialisierten Palmölanbaus. Ein Grund, warum Palmöl in so großen Mengen genutzt wird, ist die gute chemische Eigenschaft zur Weiterverarbeitung. Bei Raumtemperatur, genauer gesagt bei 23 Grad, wird flüssiges Palmöl härter. So ist es streichzart bei der Verarbeitung und beim Verbrauch.

Palmöl, ein vielseitiges Pflanzenöl mit vielen Vor- und Nachteilen

Diese Eigenschaften sorgen in den letzten Jahren für eine steigende Nachfrage, etwa 15 Prozent mehr jedes Jahr, an deren Befriedigung mit Hochdruck gearbeitet wird: In den subtropischen Ländern Indonesien und Malaysia. Aber auch in Kolumbien und Uganda werden schnell Kapazitäten für den Anbau geschaffen. In der Praxis heißt das meist Brandrodung von Regenwald, Monokulturen und schlechte Arbeitsbedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen. Die Palmölproduktion belastet die Umwelt und bedroht viele Tierarten. Trotzdem hat sie sich seit 1990 mehr als verfünffacht. 

Weltweit wächst Palmöl auf mehr als 17 Millionen Hektar, etwa der Hälfte der Fläche von Deutschland. Rund 60 Millionen Tonnen werden pro Jahr produziert. 1,82 Millionen Tonnen fließen nach Deutschland. Dabei ist Palmöl das effizienteste Pflanzenöl, was den Anbau betrifft. Der Ertrag pro Hektar liegt etwa zweieinhalb Mal so hoch wie beim Raps und sogar sechsmal so hoch wie beim Sojaanbau.

Aber geht es überhaupt ohne Palmöl?

Und welche Alternativen gibt es? Auf Palmfett zu verzichten ist schwierig, da es aufgrund der guten Eigenschaften und der hohen Qualität für Schokoladen oder Füllungen in Schokoriegeln, Kerzen und Brotaufstriche einzigartig ist. Es muss also eine Alternative zum herkömmlichen Produktionsprozess von Palmöl her. Außerdem muss der Bedarf an Palmöl gesenkt werden. Denn bei der Produktion von Palmöl kommt es insbesondere auf das „WIE“ an. Die Herstellung muss nach Kriterien ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit geschehen. Dafür müssen Produzent*innen, aber auch wir Abnehmer Verantwortung übernehmen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wurde mit Einführung des Roundtable for Sustainable Palmoil (RSPO) getan. Mit dem Runden Tisch, an dem die großen Palmölkonzerne wie auch Unilever mit Umweltorganisationen zusammensitzen, wollen soll Vertrauen geschaffen werden. Es wurden strenge Richtlinien und ein Zertifizierungssystem eingeführt. Allerdings sind die vereinbarten Kriterien freiwillig und die Einhaltung wird nicht zwingend kontrolliert. Die MISEREOR-Partnerorganisation Sawit (Palmöl) Watch nennt den Runden Tisch deshalb auch Augenwischerei. Laut einer Studie von Brot für die Welt/VEM (Potenziale und Grenzen des Roundtable on Sustainable PalmOil) bietet RSPO durchaus Ansätze für verbesserte Arbeits- und Umweltbedingungen wie beispielsweise das Verbot von Landraub, die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und das Verbot von Primärwaldrodung. Trotz Kriterien und Kontrollen wurden jedoch immer wieder Missbräuche dokumentiert.

Wo liegt die Lösung?

Weiter als das RSPO gehen einige bio-faire Produzent*innen - zum Beispiel bei Serendipalm in Ghana, Natural Habitats in Ecuador und Sierra Leone. Auch der weniger strenge, immerhin Rainforest-Alliance-zertifizierte Produzent Daboon und der Bio-Zweig von Agropalma gehören, mit ein paar Abstrichen, dazu. Die GEPA und dwp arbeiten unteranderem mit Serendipalm und Natural Habitas zusammen. El Puente bezieht unter anderem von Serendipalm. Serindipalm wurde vor rund elf Jahren von Dr. Bronner ́s (s. W&H Ausgabe 9-10-2017) aufgebaut. Dort mischen sich Mini-Bio-Palmölfelder mit Kakao-, Zitrus- oder Bananenanbau. Pestizide und Monokultur sind verboten. Mehr als 600 Bio-Produzierende liefern an Serendipalm und werden überdurchschnittlich bezahlt. Der Anbau findet nicht auf eigens dafür gerodetem Regenwald statt. Der Kostenaufschlag beim Bio-Palmöl beträgt zwischen 60 und 100 Prozent. Das Problem dabei: Der Weltmarktanteil von bio-fairen Palmöl liegt derzeit bei etwa einem Prozent. In Deutschland sind es immerhin knapp vier Prozent, mit steigender Tendenz. Doch auch das wird den Regenwald vorerst nicht retten. Laut WWF muss der Konsum geändert werden, denn Palmöl wächst global auf einer Fläche von etwa 27 Millionen Hektar - es liegt also auch an uns!

Hildegard Fuchs ist Leiterin der Sortimentsabteilung bei der GEPA und erklärt, was so gut an Palmöl ist, in welchen Produkten der GEPA es beigemischt wird und woher die GEPA es bezieht: „Bei uns wird Palmöl in Gebäck, den Füllungen einiger Schokoriegel, in Cocoba-Brotaufstrich und Kerzen verwendet. Es ist aufgrund seiner besonderen Eigenschaften wichtig für die Herstellung der Produkte. Wir haben vor einigen Jahren versucht, die Cremefüllungen in Fairetta-Kids Riegel durch Kokosfett zu ersetzen, das wurde aber ranzig. Kakaobutter erzielte nicht die gewünschte Konsistenz. Das zeigt, dass Palmöl an sich nicht schlecht ist, sondern hervorragende Eigenschaften besitzt. Katastrophal sind die Umweltzerstörung und die Arbeitsbedingungen. Hier gilt, Alternativen aufzuzeigen. Die GEPA nutzt im Gebäck und in den Cremefüllungen das Palmfett von Serendipalm/Ghana und für Cocoba beziehen wir das Palmöl von Natural Habitas/Ecuador. Es ist IMO - FAIR FOR LIFE zertifiziert und ebenfalls vollkommen 'sauberes' Palmöl. Lediglich bei Spekulatius und dem Karamellgebäck müssen wir auf RSPO-Palmfett zurückgreifen.

Das hat organisatorische und produktionsbedingte Gründe. Wir sind da aber auf einem guten Weg und sind sicher, bald auch hier fair und bio produziertes Palmfett einsetzen zu können.“ Auch bei dwp wird Palmöl eingesetzt. Thomas Hoyer, Geschäftsführer dwp: „Wir haben zwei Produktsortimente, in denen wir bewusst fair+bio-Palmöl einsetzen.
1. Zwei verschiedene Chipssorten aus traditionellen Kartoffelsorten in Peru. Hier gab es die Möglichkeit, nicht fair gehandeltes Sonnenblumenöl aus den USA einzusetzen oder - wie es unser Partnerkooperative Agropia in Perusich wünschte - das von Natural Habitat. Damit sind die Chips zwar nicht 100 Prozent aus peruanischen Zutaten, aber 100 Prozent aus regionalen Zutaten und 100 Prozent verarbeitet in Peru.
2. Zwei Naturland Fair zertifizierte Gebäcke inklusive des Naturland Fair zertifizierten Palmöles von Serendipalm. Die Gebäcke „Dinkel-Cantuccini" als auch “Dinkel-Kokos-Sauerkirsch" sind bewusst mit Palmöl von Serendipalm gebacken worden und kommen nun zur BioFach im Januar 2018 als neue Produkte von dwp.“

Gundis Jansen-Garz

 

Auf ein Beispiel für die prekäre Situation der Arbeiter*innen auf Palmölplantagen weist BanaFair hin. Sie starteten Anfang Januar einen Aufruf zur Solidarität mit Palmöl-Arbeiter*innen in Honduras.
Helge Fischer schreibt in einem Blog: „Im Oktober 2017 organisierte die Landarbeiter-Gewerkschaft STAS in dem Betrieb Agroguay, Region Atlantida, mit 140 Beschäftigten (80 Prozent der Belegschaft) das erste Gewerkschaftskomitee in der Palmölproduktion von Honduras. Agroguay gehört zur Unternehmensgruppe JAREMAR, dem zweitgrößten Palmölhersteller des Landes.
„Allein in der Landwirtschaft von JAREMAR arbeiten 3.800 Menschen. Tausende wollen sich organisieren, um ihre Arbeits- und Menschenrechte einzufordern, sagt der STAS-Vorsitzende Tomás Membreño zu BanaFair. STAS hat beim Arbeitsministerium Klage gegen die Entlassungen und die Verweigerung von Tarifverhandlungen eingereicht sowie die Vermittlung des Ministeriums beantragt, das bisher nur mit einer vagen Absichtserklärung antwortete. Außerdem fordert STAS die Auszahlung der Löhne für die Zeit des Ausstands und keine Repressalien wegen des Streiks. Die Unternehmen wollen ihrerseits die Nichtzulassung der STAS-Komitees durchsetzen. STAS hat sich auch mit dem Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl in Verbindung gesetzt, dessen Zertifizierungssystem die Unternehmensgruppe JAREMAR seit 2014 angehört. "Bei den Farmbetrieben gibt es wegen unserer Proteste Unruhe, denn anscheinend stehen Zertifizierungs-Inspektionen an", sagte Membreño. Die Unruhe ist berechtigt, denn gegenüber dem RSPO hat sich JAREMAR zur Nichtdiskriminierung von Gewerkschaften, zur Lösung von betriebsbezogenen Konflikten durch Dialog und Verhandlung sowie der Beachtung des nationalen Rechtssystems verpflichtet. Gegen alles das hat JAREMAR bei der Repression gegen STAS verstoßen.“

Lesen Sie den ausführlichen Bericht von Helge Fischer unter www.banafair.de


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