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		<title>Welt und Handel</title>
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		<description>Aktuelles von Welt und Handel</description>
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			<title>Welt und Handel</title>
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		<lastBuildDate>Sat, 22 Dec 2018 11:16:00 +0100</lastBuildDate>
		
		
		<item>
			<title>Die Zukunft des Kaffeeanbaus</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/die-zukunft-des-kaffeeanbaus.html</link>
			<description>Dialogtagung bietet breites Diskussionsspektrum rund um Fragen zum Kleinbauernkaffee, Klimawandel, Generationswechsel und Nachhaltigkeit</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Hamburg, Speicherstadt, ehemalige Kaffeebörse– wo, wenn nicht hier, kann eine Veranstaltung zum Thema „Die Zukunft des Kaffeeanbaus“ stattfinden? Am 23.und 24. Oktober diskutierten, erzählten, visionierten und stritten rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Anbau, Kirche und Fairem Handel über wichtige Fragen zur Zukunft des Kaffeeanbaus.</i>
<span style="font-size: 12px;">Die Dialogtagung wurde von Brot für&nbsp;</span>die Welt und MISEREOR organisiert und durchgeführt. Beide richten seit mehr als 60 Jahren ihren Blick auf die&nbsp; Entwicklungsprojekte von Partner*innen in Regionen des Kaffeeanbaus. Dabei steht stets die Frage „Wie können wir dazu beitragen, die wirtschaftliche Lage der Menschen zu verbessern und Armut zu reduzieren?“. Trotz vielfältiger Anstrengungen ist der Kaffeeanbau in den vergangenen Jahren kaum nachhaltiger geworden. Die Gründe sind vor allem der Klimawandel und politische&nbsp; Auseinandersetzungen sowie Korruption. Sie verschlechtern seit Jahren die Situation der Menschen, die Lebensunterhaltungskosten in den Anbauländern stei<span style="font-size: 12px;">gen, aber die Einkommen steigen nicht.&nbsp;</span>Zahlreiche Fachleute aus Wirtschaft, Politik und Entwicklungszusammenarbeit diskutierten auf dem Podium und in Workshops. 
Als wichtigste Herausforderungen der nächsten Jahre wurden das endgültige Überwinden postkolonialer Strukturen im Kaffeemarkt sowie alter Gedankenstrukturen genannt. Ebenso bedarf es dringend mehr Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren – also Produzent*innen und Kooperativen, Vertrieb, Handel und Verbraucher*innen. Die Verteilung von Macht und Risiken in der Wertschöpfungskette muss neu verhandelt und die Kaffeebauern besser an der Wertschöpfung beteiligt werden. Alle waren sich einig, dass es bereits viele gute Ansätze und Initiativen gibt, die jedoch oft sehr akteursspezifisch zurechtgeschnitten sind und nicht auf den gesamten Kaffeesektor übertragen werden können.
<span style="font-size: 12px;">Es gibt viel Geld im Kaffeesektor, es ist&nbsp;</span>nur falsch verteilt! Die steigenden Kosten müssen in den Endpreis eingebunden werden. Konkrete Vorschläge zur Weiterarbeit sind der Aufbau einer gemeinsamen Datenbank mit vergleichbaren Faktoren, die allen Akteuren zur Verfügung steht. Eine hohe Transparenz und direkte Kontakte zwischen Bauern und Händlern, Möglichkeiten der Vorfinanzierung und damit Planungssicherheit für Kaffeebauern. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel – mehr Mitgefühl, Unterstützung und Gespräche, Verhandlungen und Handel auf Augenhöhe. „Vergesst endlich das Bild von armen Bauern, die keine Ahnung haben.“ Um den Generationswechsel zu schaffen, müssen Jugendliche eine Perspektive im Kaffeeanbau sehen. Nur wenn sich Kaffee lohnt, werden die Kinder ihren Eltern folgen und Kaffee anbauen. Gerardo Alberto de <span style="font-size: 12px;">León fasste es so zusammen: Eine wirkliche&nbsp;</span>Partnerschaft innerhalb der Wertschöpfungskette ist die Lösung – so wie es im Fairen Handel schon geschieht! Für die Veranstalter fasst Ruben Quaas das Resümee: „Wir haben die Tagung bewusst als Dialog- und Fachtagung konzipiert und haben viele spannende und wichtige Anregungen erhalten. Daran werden wir jetzt weiterarbeiten.“ 
<hr />
<i>Kerstin Linne&nbsp;</i><i>von Green Line Consulting fordert besser Kommunikation unter den Akteur*innen.&nbsp;</i>]]></content:encoded>
			<category>Hintergrund</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 22 Dec 2018 11:16:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Herzen für den Fairen Handel</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/spezialseiten/news/details/article/herzen-fuer-den-fairen-handel.html</link>
			<description>Auftakt der ökumenischen Aktion Weihnachten Weltweit in Hamburg</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Hamburg, Aachen, Berlin,</b> <i>26.11.2018.</i> Heute haben der Weihbischof Horst Eberlein und Hauptpastor von St. Petri, Jens-Martin Kruse gemeinsam mit Dietrich Wersich, dem ersten Vizepräsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft die Aktion „Weihnachten Weltweit“ offiziell eröffnet. Bei der ökumenischen Aktion gestalten Kinder im Vorschul- und Grundschulalter fair gehandelten Weihnachtsschmuck. Engel, Kugeln und Herzen aus Indien und Sterne aus Peru. Träger sind die Hilfswerke Adveniat, Brot für die Welt, Misereor und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“.
Auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt „Weißer Zauber“ auf dem Jungfernstieg sagte Hauptpastor Kruse: „Diese Aktion zeigt, wie wir unabhängig von der Konfession als katholische und evangelische Mitmenschen in Deutschland gemeinsam Gutes bewirken können: Ökumenisch den fairen Handel unterstützen und Menschen weltweit helfen. So können wir die Liebe Gottes in der Weihnachtszeit weitergeben.“&nbsp;<br /><br />Weihbischof Eberlein sagte: „Der Stern ist ein besonderes Weihnachtssymbol. Er erinnert uns an die biblische Geschichte, in der erzählt wird, dass Sterndeuter aus fernen Ländern einen besonderen Stern haben aufgehen sehen. Sie sind ihm gefolgt und er hat sie zum neugeborenen Jesus-Kind in der Krippe geführt. Seitdem steht für uns Christen der Stern für Christus selbst. Er leuchtet uns voran, damit auch wir zu Lichtbringern für andere werden. Dafür kann auch der fair gehandelte Stern aus Peru stehen. Damit weltweit Weihnachten werden kann, braucht es viele Lichtbringer. Mitmachen bei der Aktion Weihnachten weltweit ist da ein guter Anfang.“<br /><br />Der Erste Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft Dietrich Wersich sagte: „Was Fairness im Sport ist, weiß jeder. Aber wir brauchen auch Fairness in der Welt, insbesondere im Handel miteinander. Deshalb ist Hamburg eine faire Stadt, die nur Produkte kauft, die unter menschenwürdigen Bedingungen und ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Und deshalb unterstützen wir als Stadt Projekte wie Weihnachten Weltweit,&nbsp; die den Fairen Handel thematisieren. Einzigartig an der Aktion ist, dass hier der Faire Handel schon für Kinder erfahrbar gemacht wird. Denn jedes Kind weiß, was unfair ist.“<br /><br />Monika Polycn, Leiterin der Kita St. Joseph erklärte, warum sie mit ihren Kindern dabei ist: „Es ist nicht nur eine faire Aktion, sondern sie bietet auch die Möglichkeit, unseren Kindern hier das Leben anderer Kinder weltweit zu zeigen. So verbindet die Aktion Spaß mit interkulturellem Lernen, eröffnet Kindern einen praktischen Zugang zum Fairen Handel und zur Lebenssituation von Gleichaltrigen in anderen Ländern der Welt.“<br /><br />Kugeln, Sterne, Engel und Herzen kosten als Zehner-Set jeweils 18,90 Euro und sind online bestellbar. Pädagogische Materialien ermöglichen einen Blick in die Lebenswelten Gleichaltriger weltweit. Mal- und Basteltipps, Vorlesegeschichten rund ums „faire“ Weihnachtsfest, Fotogeschichten über die Herstellung der Produkte, Lieder, Texte, Noten bieten Anregungen für die Arbeit in Kitas und im Kindergottesdienst:&nbsp;<a href="http://www.weihnachten-weltweit.de/" rel="noreferrer" target="_blank" data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?q=http://www.weihnachten-weltweit.de&amp;source=gmail&amp;ust=1543398872776000&amp;usg=AFQjCNFRG09GZSHZFZPNcuuoLu98acNFqg">www.weihnachten-weltweit.de</a>]]></content:encoded>
			<category>Startseite</category>
			<category>Aktuelles</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 27 Nov 2018 11:09:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Fairer Handel in Europa</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/spezialseiten/news/details/article/fairer-handel-in-europa.html</link>
			<description>Unterschiedliche Strukturen führen zu verschiedenen Ansätzen
und Umsätzen – politische Lobbyarbeit wichtiger denn je
</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Schweiz ist unangefochten an Nummer eins, wenn es um den Pro-Kopf-Anteil an fair gehandelten Produkten geht. Auch die Brit*innen kaufen um ein Vielfaches mehr als die deutschen Verbraucher*innen. Warum ist das so? Und wo gibt es Gemeinsamkeiten? Welche Unterschiede sind da, wenn es um Bildungsarbeit im Fairen Handel geht? Und wie funktioniert Lobbyarbeit für den Fairen Handel in der EU? Welt&amp;Handel hat sich umgehört und einige interessante Aspekte herausgefunden.
Absoluter Spitzenreiter, was die Ausgaben in Euro für Fairtrade-Produkte pro Kopf in den einzelnen Ländern angeht, ist die Schweiz mit 72 Euro im Jahr 2017. Beim Gesamtwert der im Land verkauften Fairtrade-Produkte ist Großbritannien mit seinen knapp 2 Milliarden Euro Umsatz Spitzenreiter. Die Schweiz ist mit 95 Prozent Marktanteil bei Rohrzucker und 54 Prozent bei Bananen derzeit nicht zu übertreffen. Auch ist der Marktanteil von Fairtrade-Kaffee mit 10 Prozent beachtlich (Vergleich Deutschland: 4,1 Prozent). Doch die Voraussetzungen in den jeweiligen Ländern sind völlig unterschiedlich. Die Schweiz gilt als „innovativer Fairtrade-Markt“. Die Supermarktkette Coop hat beispielsweise ihr gesamtes Bananen-Sortiment auf Fairtrade-Bananen umgestellt. So lässt sich unter anderem der Marktanteil mit mehr 50 Prozent erklären. In Deutschland hat das Fairtrade Siegel zwar eine große Bekanntheit und das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum steigt, trotzdem bestimmen Kostenvorteile das Handeln von Konsument*innen und dem Lebensmitteleinzelhandel. Die Qualität der Nahrungsmittel steht dabei nicht an erster Stelle. Mehr als 90 Prozent der Deutschen kaufen gelegentlich oder regelmäßig im Discount ein. Deshalb hat Fairtrade die Chance genutzt und ist dort hingegangen, wo die Menschen einkaufen – in Discount-Ketten wie Lidl, Aldi, Penny und Netto. Die Gründe für diesen länderspezifischen&nbsp; Unterschied haben Soziologen der Universität Zürich gemeinsam mit dem Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt erhoben. Sie befragten dazu 3.900 Einwohner*innen der Stadt Zürich und der Stadt Köln und analysierten in diesen Städten die Kaufgelegenheiten für Fairtrade-Produkte: Schweizer sind von fair gehandelten Produkten moralisch stärker überzeugt als Deutsche, außerdem ist in der Schweiz das Verkaufsangebot größer. Hingegen spielt die unterschiedliche Kaufkraft zwischen Schweizern und Deutschen keine Rolle. 
<h3>Ein Vergleich mit Österreich und den Niederlanden</h3>
In Österreich geben Konsument*innen nur noch rund 10 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Beim Lebensmitteleinkauf wird dabei sehr stark auf den Preis geachtet. Das macht es für die Hersteller und den Handel schwer, Aufpreise für ökologische oder soziale Maßnahmen unterzubringen. In Großbritannien sind die Fairtrade- Kampagnen Fairtrade-Towns, Fairtrade-Schools und Fairtrade-Universities am erfolgreichsten. Eine große Mobilisierung der Zivilbevölkerung und das Engagement politischer Gemeinden führen dazu, dass der Faire Handel fest in der Gesellschaft verankert ist. Aber auch in Deutschland wächst das Engagement in der Zivilbevölkerung stetig an: Über 540 Fairtrade-Towns, 500 Fairtrade-Schools und rund 20 Fairtrade-Universities setzen sich für den Fairen Handel ein. In den Niederlanden wurde 1988 zur Einführung des Fairtrade-Siegels die erste nationale Fairtrade-Organisation gegründet. Seitdem ist die niederländische Fairtrade-Szene sehr stark. Hier hat z.B. die Supermarktkette PLUS ihr gesamtes Bananen- und Ananas-Sortiment auf Fairtrade umgestellt. Billig-Bananen bietet sie nicht mehr an. Deutschland führt, was den Fairtrade-Marktanteil an verkauften Blumen angeht mit 28 Prozent. Auch sind 73 Prozent der Fairtrade-Produkte auf dem deutschen Markt Bio-zertifiziert. Bei Bananen sind es sogar 100 Prozent, bei Kaffee tragen 77 Prozent des Fairtrade- Kaffees zusätzlich das Bio-Siegel.&nbsp;&nbsp;
<h3>Faire Initiativen in Europa: Europäische Hauptstadt des Fairen Handels</h3>
Mit dem EU Cities for Fair and Ethical Trade Award ehrt die Europäische Kommission seit diesem Jahr Städte, die sich für mehr Nachhaltigkeit im internationalen Handel einsetzen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf fairen und ethischen Handelsmodellen sowie auf zivilgesellschaftlichen Ansätzen, die Kleinbäuer*innen außerhalb der EU im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern. 19 europäische Städte hatten sich in diesem Jahr um den Titel „Europäische Stadt des Fairen und ethischen Handels“ beworben. Auf der Shortlist landeten schließlich Lyon, Malmö, Gent, Madrid und Vitoria-Gasteiz, Saarbrücken und Dortmund. Am 27. Juni gab die Jury ihre Wahl bekannt: Gent wird als erste Stadt mit dem EU Cities for Fairand Ethical Trade Award geehrt. Vorbild für den Preis ist der Wettbewerb „Hauptstadt des Fairen Handels“, den die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt alle zwei Jahre vergibt.
<h3>Die Zusammenarbeit der europäischen Fairhandelsorganisationen</h3>
Die European Fair Trade Association (EFTA) ist ein Zusammenschluss von zehn Fairhandels-Importeuren aus neun europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Schweiz, Spanien) und wurde 1990 gegründet. Einziges deutsches EFTA-Mitglied ist die GEPA. Erklärtes Hauptziel der EFTA ist die Harmonisierung und Koordination von Fair-Handels-Aktivitäten, um so den Fairen Handel effizienter zu gestalten. Aus diesem Grund organisiert die EFTA beispielsweise regelmäßige themenspezifische Treffen für ihre Mitglieder, damit der kontinuierliche Informationsaustausch gefördert wird. Außerdem gibt es eine Arbeitsteilung der EFTA-Mitgliedsorganisationen. Man hat sich auf gemeinsame Standards und Richtlinien für den Import und die Betreuung der Handelspartner geeinigt. Die EFTA hat zudem ein eigenes Monitoringsystem für seine Handelspartner entwickelt. „Wir sind jetzt in einer totalen Umbruchphase“, sagt Hildegard Fuchs von der GEPA. Mit dem Weggang der langjährigen Managerin, Marlike Kocken, zum Ende dieses Jahres müssen sich die Mitglieder nun erst einmal neu sortieren. Es sind auch nur kleine Sequenzen, in denen eine Zusammenarbeit möglich ist. So kann ein EFTAMitglied für die anderen Mitglieder Waren importieren. „Das macht auch Sinn, denn jede Importorganisation hat andere Schwerpunkte. Wir schauen dann schon, wo es Stärken und Schwächen gibt. In der letzten Zeit trafen wir uns regelmäßig zum Erfahrungsaustausch; jedoch planen wir, darüber hinaus noch mehr Kooperationen und konkrete Zusammenarbeit anzugehen. Dazu wurden bereits so genannte working groups eingerichtet“, erklärt Desniwati, ebenfalls GEPA. „Es gibt immer wieder Berührungspunkte, an denen wir uns gegenseitig helfen, aber trotz des guten Verhältnisses, das wir untereinander haben, bleiben wir Wettbewerber und jede Organisation will und muss wirtschaftlich denken und handeln.“ Ein gemeinsames Produkt auf europäischer Ebene ist schwierig in der Umsetzung, aber darüber wurde auch schon nachgedacht. „Da ist was auf dem Weg.“
<h3>Handel für Alle?</h3>
Unternehmen neue Märkte öffnen und ein günstiges Klima für Investition schaffen – das ist bislang das vorrangige Ziel von europäischer und internationaler Handelspolitik. Auf der Strecke bleiben dabei oft soziale Standards, Umweltschutz und Menschenrechte. Auch die neue Handelsstrategie der EU unter dem Motto „Handel für Alle“ zielt vor allem darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit und die Gewinnaussichten europäischer Unternehmen zu verbessern. Die EU fordert von anderen Staaten möglichst uneingeschränkten Marktzugang für ihre Güter, Dienstleistungen und Investitionen, ungehinderten Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Rohstoffen sowie mehr Schutz von Investitionen und geistigem Eigentum. Auch wenn TTIP zunächst vom Tisch ist, wurde das CETA-Abkommen verabschiedet. Ähnliche Abkommen strebt auch die EU an, ausgerechnet mit Entwicklungs- und Schwellenländern wie Argentinien, Brasilien, Paraguay, Indonesien, Indien und Mexiko (MERCOSUR-Staaten). Und mit den Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks hat sie sogenannte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) ausgehandelt, gegen deren Ratifizierung sich viele afrikanische Länder allerdings noch wehren. 
<h3>Ein Lobbybüro in Brüssel</h3>
Das Fair Trade Advocacy Office (FTAO) in Brüssel ist eine wichtige Plattform des Fairen Handels für die politische Arbeit auf europäischer Ebene. Der Austausch mit Abgeordneten des Europaparlaments und Vertreter*innen der EU Kommission ist von entscheidender Bedeutung, da die europäische Landwirtschafts- und&nbsp; Handelspolitik oft sehr direkte Auswirkungen auf Kleinproduzent*innen im Süden hat. Es hat als Lobbyorganisation des Fairen Handels das klare Ziel, EURichtlinien für faire Handelspraktiken voranzubringen. Die 2004 von Fairtrade International (FI) und der World Fair Trade Organisation (WFTO) gegründete Organisation treibt somit das Anliegen der Fair-Handels-Bewegung, die Lebensgrundlagen von Produzent*innen und Arbeiter*innen zu verbessern, auf politischer Ebene in Brüssel voran. „Wir möchten ein begünstigtes Umfeld für den Fairen Handel schaffen und gemeinsame Positionen erarbeiten. Wir sind ein kleines Büro in Brüssel mit vielen Aufgaben, die wir auf unsere Mitarbeiter*innen verteilen. Es geht um Handelsgerechtigkeit und gegen ungerechte Strukturen und: Wir haben es immerhin in die Tagesschau geschafft!“, freut sich Peter Möhringer, Mitarbeiter des FTAO. Die EU-Kommission hat Anfang 2013 ein Diskussionspapier zu unfairen Handelspraktiken entlang der Lieferkette veröffentlicht. Darin benennt sie die Risiken zu unfairen Handelsbedingungen, setzt jedoch auf freiwillige Maßnahmen, vor allem auf die seit 2013 bestehende „Supply Chain Initiative“, die vor allem auf Kommunikation und Bildungsmaßnahmen zwischen den Akteuren setzt. Neben der Regulierung fordert das FTAO eine anonyme Beschwerdestelle gegen unfaire Handelspraktiken. „Dazu wurde ein Richtlinienvorschlag erstellt. Denn“, so Peter Möhringer, „viele Beschäftigte oder Produzierende klagen aus Angst vor Repressalien nicht gegen unfaire Praktiken. Bevor sie entlassen oder ihnen die Aufträge entzogen werden, machen sie lieber weiter. Das kann durch Anonymität verhindert werden.“ Ziel sei es, den &quot;Angstfaktor&quot; abzubauen, indem Beschwerden vertraulich behandelt werden können. Der Richtlinienvorschlag wird nun im EU-Parlament und im Ministerrat beraten und soll im Mai abgestimmt sein. Die Chancen, dass es das FTAO schafft, die EU-Kommission davon zu überzeugen, stehen zurzeit gut – wenn es im Mai klappt, hat die Lobbyarbeit des Fairen Handels in Europa einen großen Schritt nach vorne gemacht! Auch das Wettbewerbsrecht arbeitet vielfach gegen Kleinproduzent*innen indem es sich auf Endpreise für Verbraucher*innen fokussiert. „Es gibt in der EU einen beschränkten Blick auf das Konsument*innenwohl. Vorher galt das Allgemeinwohl, da wurde auch auf die Produzent*innen geachtet. Manche Länder halten den Fokus auf das Privatwohl, da sind Datenschutzrechte beispielsweise wichtig. Verschiedene Länder haben ihre eigenen Schwerpunkte, die es gilt, zusammen zu bringen.“
<h3>Warum die Europäische Union für den Fairen Handel wichtig ist?</h3>
Die Europäische Union (EU) wird in vielen Bereichen als technokratisch und weit weg von den Bürgern wahrgenommen. Die EU-Institutionen und ihre politischen und rechtlichen Befugnisse haben jedoch ein großes Potenzial zur Verwirklichung der Vision von Fair Trade. Die EU hat in ihren Mitgliedsstaaten die ausschließliche Zuständigkeit für Handelspolitik und wichtige Befugnisse in bedeutenden Politikbereichen wie Entwicklung und Binnenmarkt. Sie ist der größte Fair-Trade- Markt und der weltweit größte Anbieter von Entwicklungshilfe für Übersee. In ihren bilateralen und multilateralen Beziehungen spielt die Union eine führende Rolle bei der Festlegung globaler Politiken, die sich auf den internationalen Handel auswirken. Druck auf die politischen Entscheidungen kann per Stimmzettel ausgeübt werden. Im kommenden Jahr ist wieder Europawahl. Da sollten die Abgeordneten auf Herz und Nieren und ihre Einstellung zu Handelsabkommen, Marktmacht und Fairem Handel geprüft werden. Auch die Importorganisationen müssen sich europaweit aufstellen – die nächsten Schritte der EFTA zu mehr Kooperationen sind gut und wichtig. Und vielleicht gibt es ja bald schon einen europäischen Schokoriegel?!
<i>Gundis Jansen-Garz <br /></i>
<hr />
<br />Kurz vor Drucklegung dieser Ausgabe erreichte uns die Nachricht, dass die britische Fairhandelsorganisation Traidcraft zum Ende des Jahres eingestellt wird. Robin Roth, Geschäftsführer bei Traidcraft, erklärte gegenüber Welt&amp;Handel: „Wir können den Spagat zwischen dem billigen Fairtrade der großen Supermarktketten und unserem Fairen Handel nicht mehr schaffen. Auf Dauer ist es unrentabel.“ Neben der Konkurrenz aus den Supermärkten sei es jedoch vor allem der Brexit, der eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr gewährleisten kann. „Direkt nach Bekanntgabe des Brexits ist das britische Pfund 18 Prozent im Wert gegenüber dem US-Dollar gesunken. Beim Euro beträgt der Wertverlust rund 16 Prozent. Bis heute hat sich das kaum geändert. Das bedeutet, dass wir mit wesentlich höheren Preisen einkaufen als zuvor. Das lässt sich nicht auf Dauer durchhalten.“ Die großen Ketten schafften das aufgrund der größeren Mengen und höheren Margen, aber ein Fairhandelsunternehmen wie Traidcraft könne dies nicht. Die hohen Umsatzzahlen bei Fairtrade in England berufen sich also in erster Linie auf die Supermärkte. „Der Faire Handel in Großbritannien hat sich dahingehend verändert. Der Brexit hat die Kaufkraft gemindert. Das spüren wir nun“, so Robin Roth. Wie es weitergeht, ist noch unklar. Robin Roth ist jedoch zuversichtlich: „Wir betrachten es als Chance. Da wir nicht insolvent sind, können wir nach der Abwicklung des wirtschaftlichen Betriebs davon ausgehen, dass noch finanzielle Mittel vorhanden sind. Damit werden wir auf einer anderen, noch ungewissen Weise, mit dem Fairen Handel in England weitermachen.“]]></content:encoded>
			<category>Startseite</category>
			<category>Hintergrund</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 13 Nov 2018 10:24:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Leserbriefe zum Aufruf &quot;Ehrenamt im Weltladen!&quot;</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/leserbriefe-zum-aufruf-ehrenamt-im-weltladen.html</link>
			<description>Uns haben die ersten vier Leserbriefe unseres Aufrufs in der Welt und Handel Ausgabe 06/2018 erreicht.</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>Die Aufforderung zum Aufruf nehme ich gerne an. 1992 habe ich meine eigene Dritte-Welt-Firma „Tienda Mundo“ in Burghausen gegründet und mir damit einen Wunsch erfüllt. Ich wollte nicht mehr wegen eines Päckchen Kaffees beim zuständigen Pfarrer klingeln, sondern etwas Eigenes auf die Beine stellen. Dazu waren die damalige Projektarbeit mit Rhönschafen und der Nicaragua-Kaffee der Auslöser. Diesen Kaffee wollte ich verkaufen und damit das Projekt unterstützen. Ebenso war die Arbeit von Preda, die damals bekannt wurde ein Projekt, das ich gerne unterstützen wollte. Der Anteil des Fairen Handels belief sich 1992 auf&nbsp; knapp 1 Prozent - sind wir über die Vermarktung weitergekommen? Nach mehr als 26 Jahren habe ich im Juli 2018 aufgehört. Die Gründe sind für mich überwiegend: Die alljährliche Lust-Frust-Auseinandersetzung mit dem Finanzamt, das mich vor einigen Jahren schon zum Hobbybetrieb erklärt, aber von nichts befreit hat und die Bürokratisierung und die Technisierung. Dazu kommt, dass ich gegen die Ehrenamtlichkeit in den Weltläden nicht konkurrieren konnte. Ich denke, die Professionalisierung und Wirtschaftlichkeit der Weltläden ist Voraussetzung für das Bestehen in der Zukunft, dann ist auch die Vielfalt mit eingebunden.
<i>Henriette Auer, Burghausen</i>
<hr />
„Ich habe mich sehr über den Artikel in Welt&amp;Handel gefreut. Mein ständiges Reden in unserem Karibuni-Weltladen in Bad Dürrheim sind also keine Fantastereien, sondern das Thema beschäftigt offensichtlich auch andere. Ich habe mir in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es wichtig und uns und wohl auch für andere Weltläden wäre, eine hauptamtliche geschäftsführende Stelle einzurichten. Vielleicht geht so etwas in Kombination mit einem weiteren Weltladen oder einem (Hoch)-Schulprojekt, einer Behindertenwerkstatt oder anderen gemeinnützigen Vereinen auf der Suche nach professioneller Geschäftsführung. Die Bereitschaft dazu ist schwierig, was vor allem daran liegt, dass die Weltläden nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern die gute Tat im Vordergrund sehen. Hier muss ein Umdenken geschehen. Auch politisch - Entwicklungshilfe sollte auch den Fairen Handel erreichen.“
 <i>Roswitha Kneer, Karibuni-Weltladen Bad Dürrheim</i>
<hr /></blockquote>
<blockquote>Wir vom Weltladen Kressbronn begrüßen es, dass endlich eine Diskussion zum Themenkomplex Ehrenamt und Wirtschaftlichkeit der Weltläden zustande kommt. Wir beobachten schon seit Jahren, dass der Faire Handel zwar jährlich wächst, aber eben kaum im Gesamtbereich der den Weltläden. Insbesondere bei Lebensmitteln haben Supermarktketten und Diskounter den Imagewert eines TransFair-Siegels erkannt und nehmen immer mehr solchermaßen gesiegelte Waren in ihr Sortiment auf. Aufgrund ihrer Betriebsgrößen können sie es sich leisten, die Preise der Weltläden zu unterbieten und insbesondere die Discounter erwecken den Anschein, dass billig und fair gehandelt zusammenpassen. Es sind insbesondere zwei Akteure, die zu dieser Situation beigetragen haben: Eine Großhandelsorganisationen des Fairen Handels (GEPA), die bereitwilligst an diese Handelsorganisationen liefert (vermutlich zu günstigeren Preisen als es die Weltläden bekommen) und die Siegelorganisation TransFair, die die Anforderungen für dieses Siegels immer weiter herunter geschraubt hat. Noch seltsamer mutet es an, wenn gleiche Waren unterschiedlich gesiegelt werden: für Diskounter und Handelsketten mit dem Transfair-Siegel, für Weltladen z. B. mit dem Eigensiegel von GEPA Wir Ehrenamtliche haben schon länger das Gefühl, dass wir, die wir am Ende der Wertschöpfungskette stehen, ausgenutzt werden und andere den Mehrwert der Fair-Handel-Idee abschöpfen. Man kann das ungerecht nennen, aber es entspricht leider den herrschenden, marktwirtschaftlichen Prinzipien. Die Weltläden müssen sich dieser Ungleichbehandlung und Doppelzüngigkeit stellen und mit wirksamem Mitteln reagieren. So könnte der Weltladen-Dachverband eine aktivere Rolle einnehmen und die die gebündelte Einkaufsmacht der Weltläden gegenüber dem Fair-Trade-Großhandel ins Feld führen. Wir haben das Gefühl, dass aus welchen Gründen auch immer, immer noch nicht die wahren Probleme angesprochen werden.
<i>Weltladen Kressbronn, Heidi Eisenblätter, Hubert M. Schuh</i>
<hr /></blockquote>
<blockquote>Auch unser Weltladen wird von einem Verein getragen und zum großen Teil ehrenamtlich betrieben. Seit einem halben Jahr haben wir bezahlte Arbeit für Warenbestellung eingeführt. Unser Standpunkt ist, dass ab einer gewissen Ladengröße nicht mehr die ganze Organisation ehrenamtlich geleistet werden kann. Fairer Handel bedeutet schließlich auch, dass die Menschen, die sich hier engagieren, fair behandelt werden, und das Ehrenamt nicht an Selbstausbeutung grenzen darf. Ein Laden ist ein Wirtschaftsbetrieb und muss auch als solcher geführt werden, wenn er überleben will. So gesehen, hat die kirchliche Jugendarbeit dem Fairen Handel einen Bärendienst erwiesen, indem sie ehrenamtliche Strukturen für den Verkauf aufgebaut hat. Biolandwirtschaft und ökologischer Handel ist auch in aller Munde - aber es würde niemand verlangen, dass ein Bioladen ehrenamtlich geführt werden muss, weil sonst die Produkte zu hochpreisig werden, oder jemand hier bei uns dadurch Geld verdient. <br /> <i><br /> <i>Rosemarie Rimpf</i></i>
<hr /></blockquote>
<blockquote>„Wir führen seit fünf Jahre einen eigenständigen Weltladen in Bad Saulgau. Die Wertschätzung und Achtung ist bei weitem größer, wenn unsere Produzent*innen durch den Verkauf ihrer Produkte ihren Lebensunterhalt verdienen können, den sie benötigen und nicht von „guten Taten – Almosen“ abhängig sind. Eine Umsatzsteigerung im Weltladen ist nur mit einer zunehmenden Professionalisierung möglich. Die Zukunft des Fairen Handels liegt unserer Meinung nach in der Professionalisierung. Das heißt: Fairer Preis für Produzent*innen, Lieferant*innen und endlich auch im Verkauf! Nur so kann es gelingen!“ Herzliche Grüße aus dem Weltladen Bad Saulgau
<i>Weltladen Bad Saulgau</i></blockquote>]]></content:encoded>
			<category>Hintergrund</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 17 Sep 2018 16:34:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>&quot;Wir müssen Kaffeekämpfer sein!&quot;</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/wir-muessen-kaffeekaempfer-sein.html</link>
			<description>Unruhen in Nicaragua - Fairhandelspartner sind auch betroffen</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Mehr als 350 Menschen sind in den vergangenen drei Monaten in Nicaragua im Konflikt zwischen regierungsnahen Paramilitärs und Polizei auf der einen Seite und Regierungskritikern auf der anderen Seite getötet worden. Zudem gab es mehr als 2.000 Verletzte, Hunderte Menschen wurden inhaftiert oder sind verschwunden.</i>
„Die aktuelle Situation ist sehr gewalttätig, man tut alles, um weitere Proteste zu unterbinden. Vor allem paramilitärische Truppen, von der Ortega Regierung als Hilfspolizisten bezeichnet, gehen extrem gewalttätig gegen die eigene Bevölkerung vor. Sie streifen schwer bewaffnet durch das Land und schüchtern die Bevölkerung ein, um weitere Demonstrationen der Regierungsgegner zu verhindern“, berichtet Dominik Piper, Länderreferent für Nicaragua bei Misereor. 
Die derzeitige Situation in Nicaragua erinnert an längst vergangene Zeiten, als in den 1970er und -80er Jahren die nicaraguanischen Sandinisten ihren Sieg über das Somoza-Regime feierten. Damals wurde Nicaragua international zur Projektionsfläche für viele unerfüllte Wünsche nach einer sozialistisch geprägten Gesellschaft. Die neue Regierung verstaatlichte Schlüsselindustrien und leitete eine Landreform ein, von der vor allem die armen Kleinbauern profitierten. Der Boden sollte nicht mehr der Gier weniger, sondern dem Wohle vieler dienen. Das war 1979. Heute ist es komplett anders, denn derjenige, den die Demonstranten nun absetzen wollen, ist ein ehemaliger Anführer der Linken in Nicaragua, der sich in einen selbstgerechten Machthaber verwandelt hat. Auch die Partnerkooperativen im Fairen Handel sind von den anhaltenden sozialen und politischen Unruhen überrascht worden und werden dadurch an ihrer alltäglichen Arbeit massiv gehindert.
„Wir sind in ständigem Kontakt mit den Kaffeegenossenschaften“, heißt es bei der GEPA, „viele Bäuerinnen und Bauern sind verunsichert. Sie haben Angst, dass kommerzielle Importeure abspringen, ihnen nächstes Jahr keinen Kaffee mehr abkaufen.“ Fátima Ismael, Geschäftsführerin des Kooperativen-Dachverbandes SOPPEXCCA: „In der Tat hatten wir in den letzten drei Monaten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir schätzen den Verlust auf ca. 100.000 US-Dollar.“ Das führte zu Stillstand, Büros und Cafeteria mussten geschlossen werden. Auch die Bauern können sich nicht mehr wie gewohnt um die Feldarbeit kümmern, weil sie nach anderen Erwerbsmöglichkeiten suchen, um ihre Familien zu ernähren. Aufgrund verspäteter Exporte konnte SOPPEXCCA nicht rechtzeitig den&nbsp; Verpflichtungen der Kreditgeber nachkommen und musste höhere Zinsen zahlen. Fátima Ismael: „Wir bezahlen unsere Mitglieder, wenn auch verspätet. Wir geben Dünger ab trotz der Sperren und Tumulte.“ Sie will sich trotz aller Herausforderungen nicht unterkriegen lassen: „Wir müssen Kaffeekämpfer sein in Zeiten des Friedens und auch in der Not. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass wir aus dieser Situation herauskommen werden, als Land wie auch als Organisation, und dass wir uns nach und nach von dieser Katastrophe erholen werden.“ Der Genossenschaftsverband der Kaffeekleinbauern aus Nicaragua fasst die Situation in einer Stellungnahme so zusammen: „Wir machen weiter, um die Produktion für diesen Erntezyklus und die Aussaat zu gewährleisten.“ Das ist auch wichtig, um für Ernährungssicherheit vor Ort zu sorgen. „Derzeit haben wir 70 Prozent unseres Kaffees exportiert; der Rest befindet sich noch in unseren Lagern.“ Daysi Mendez vom Kooperativenverband Tierra Nueva, die zurzeit in Leipzig zu Besuch bei Cafe Chavalo ist, berichtet: „Die Preise für Lebensmittel sind spürbar gestiegen. Bohnen kosten nun 25 statt 15 Cordobas pro Libra und der Mais kostet inzwischen fast zehn Cordobas. Vorher waren es vier. Auch die Transportkosten sind deutlich höher als früher. Eine Busfahrt aus Boaco zum Beneficio kostet jetzt 30 statt vorher 24 Cordobas. Zeitweise fuhren gar keine Busse, sodass wir mit dem Taxi ins Beneficio fahren mussten. Das kostete 80 Cordobas täglich. Für manche Bauern bedeute das nun, dass sie sich eigentlich keine Fahrten mehr leisten können und stattdessen stundenlang zu Fuß unterwegs sind. „Und bei den Preisen kann man nun gar nichts mehr ansparen.“
Die Liefersituation in Nicaragua normalisiert sich, es gab Verzögerungen bei der Lieferung von Rohkaffee aus Nicaragua. Den Kaffee außer Landes zu bringen ist derzeit jedoch nicht einfach. Aber bitter nötig. Denn auf Grund der Unruhen ist die wirtschaftliche Situation des Landes angespannt. Die GEPA konnte das jedoch durch den Abbau von Reserven auffangen. Auch beim Honig gab es noch keine Engpässe. El Puente berichtet, dass der Nicaragua-Honig zuletzt mit einem&nbsp; Kühltransport gebracht wurde, weil nicht absehbar ist, wie lange der Container tatsächlich unterwegs sein wird, wie und wann die Straßensperren passierbar sind. „Damit der Honig in der Hitze nicht verdirbt, haben wir auf den gekühlten Transport zurückgegriffen“, sagt Anna-Maria Ritgen von El Puente. Auch dwp empfiehlt, auf jeden Fall weiter zu bestellen: &quot;Damit die dort aufgebauten Strukturen und Genossenschaften weiter gestärkt werden und wir ein klares Zeichen der Solidarität an die dortigen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern schicken&quot;, sagt Michael Lindlbauer. Aufgrund der politischen Krise in Nicaragua und dem klimabedingtem Ernteausfall in 2017 konnte über mehrere Monate kein Honig importiert werden. &quot;Im September werden wir wieder lieferfähig sein und würden uns freuen, wenn möglichst viele Weltläden z.B. Kaffee &amp; Honig unseres Fair-Handelspartners COSATIN bestellen.&quot;
<h3>Was können Weltläden jetzt tun?</h3>
„Mein Rat an die Weltläden: den Kaffeeverkauf intensivieren und daraus noch mehr bestellen“, empfiehlt Kleber Cruz. Denn: „Zu den Unruhen, die den Alltag der Kaffeebauern beeinträchtigen, kommt noch hinzu, dass die Preise auf dem Kaffeemarkt gesunken sind.“ Das ist jetzt das wahre Problem. Mit einem Mindestpreis von 190 US$/100lb (inkl. Prämien) für Bio und Fair stellt der Fairer Handel für viele Organisationen einen Rettungsanker dar, aber nur dann, wenn die Kooperativen zu 100 Prozent oder zum großen Teil an den Fairen Handeln verkaufen können.
<h3>Nicaragua schien ein sicheres Land zu sein</h3>
Die Infrastruktur in Nicaragua ist seit der Regierung Ortegas so gut, wie noch nie: Das Straßennetz ist im mittelamerikanischen Kontext gut ausgebaut, man kommt relativ gut in abgelegene Dörfer und bis vor Kurzem war die Kriminalität kein Thema für die Bevölkerung. Nicaragua schien ein sicheres Land zu sein. Jedes Dorf hat eine Schule, das Gesundheitssystem funktioniert relativ gut. Vor allem die ländlichen Gebiete haben von der Politik der Sandinisten stark profitiert. „Für viele waren Aufstand und Unruhen eine echte Überraschung, damit haben sie wirklich nicht gerechnet. Es muss aber nicht so verstanden werden, dass die ländliche Bevölkerung in ihrer Gesamtheit Anhänger von Ortega ist.“ So gibt es in den Genossenschaften und Kooperativen, mit denen die GEPA zusammenarbeitet, als auch Ortega-Anhänger, als auch Gegner. Das stellt die Bauerorganisationen vor eine schwierige Situation... für die eine oder die andere, denn wenn sie Partei für eine oder für die andere Gruppe ergreifen, wird die Genossenschaft auseinanderbrechen. „Es muss nur ein kleines Problem auftreten, dann könnte die Situation explodieren. Die Menschen leben im Moment wie auf einem Pulverfass. Dabei sind politische Stabilität und Struktur extrem wichtig für das Land.“ Auch für Produzierende aus dem konventionellen Handel, denn die Unsicherheit könnte dazu führen, dass Verträge nicht erfüllt werden können und kein Kaffee mehr abgesetzt wird. „Keine Verträge bedeutet keine Kredite, keine Betriebsmittel, andere Produkte werden nicht angebaut, Tagelöhner können nicht beschäftigt werden. Dazu kommt noch die Folge des Klimawandels“, sorgt sich Kleber Cruz.
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<h2>Was wäre der Faire Handel ohne den Nicaragua-Kaffee?</h2>
Der Nicaragua-Kaffee hat Ende der 1970er Jahre dafür gesorgt, dass der Faire Handel zur politischen Solidaritätsbewegung wurde. Seit dem Sieg der Sandinistischen Revolution bevorzugten die damaligen Dritte-Welt-Gruppen den Solidaritätskaffee aus Nicaragua und erwarteten, dass auf den Beipackzetteln die Situation in Nicaragua so dargestellt wurde, wie die linke Szene sie sah. Die GEPA führte – nicht ohne kritischer Auseinandersetzung der Gesellschafter – den Nicaragua-Kaffee ein: Rot-Schwarze Plastikbeutel mit viel Text. Die Geburtsstunde der Sandino-Dröhnung war im Juni 1980, als die ersten Pakete zum Verkauf angeboten wurden. Damals kam dieser Kaffee übrigens keineswegs aus kleinbäuerlichen Strukturen, er galt vornehmlich als Ausdruck der Solidarität mit Nicaragua. Auf dem Evangelischen Kirchentag 1987 in Erfurt boten ostdeutsche Dritte-Welt-Gruppen Nica-Kaffee unter dem Motto „Statt Jacobs Krönung trink Sandino-Dröhnung“. Heute gibt es Kleinbauern-Kaffees aus Nicaragua von den Fairhandels-Organisationen; der Hamburger Verein El Rojio vertreibt die Sandino-Dröhnung noch immer – mittlerweile kommt er von der Kooperative SOPPEXCCA.
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			<category>Hintergrund</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 12 Sep 2018 14:14:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title> UN-Kinderrechtskonvention: 30 Jahre Kinderrechte weltweit ­– Kinder können faire Schokolade gestalten</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/spezialseiten/news/details/article/un-kinderrechtskonvention-30-jahre-kinderrechte-weltweit-kinder-koennen-faire-schokolade-ges.html</link>
			<description>Kindermissionswerk und die GEPA starten Malwettbewerb</description>
			<content:encoded><![CDATA[Engagement braucht Spaß und Phantasie: Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention 2019 startet das Kindermissionswerk ,Die Sternsinger’ jetzt gemeinsam mit dem Fair Trade-Pionier GEPA einen&nbsp;<b>Malwettbewerb</b>&nbsp;mit Kindern für Kinder.&nbsp;<b>Mädchen und Jungen bis 18 Jahre sind dazu aufgerufen, ihren Ideen freien Lauf zu lassen und ein Bild zum Thema „Kinderrechte“ zu gestalten</b>. Eine Jury aus Kindern und Erwachsenen wählt das Gewinnerbild aus. Das Bild kommt dann auf die Verpackung der GEPA-Vollmilchschokolade, die im Jahr 2019 bundesweit in vielen Supermärkten und Weltläden zu kaufen sein wird. Außerdem werden die schönsten Bilder in einer Ausstellung im Internet gezeigt. Viele weitere Informationen gibt es unter:&nbsp;<a href="http://ea.newscpt24.de/_la.php?&amp;nid=3717930&amp;sid=226793563&amp;lid=15835145&amp;enc=68747470733a2f2f7777772e737465726e73696e6765722e6465&amp;tg=kinder/malwettbewerb/" target="_blank" title="Link zum Malwettbewerb des Kindermissionswerk 'Die Sternsinger'" id="m_-2012386261714452947id867913697" data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&amp;q=http://ea.newscpt24.de/_la.php?%26nid%3D3717930%26sid%3D226793563%26lid%3D15835145%26enc%3D68747470733a2f2f7777772e737465726e73696e6765722e6465%26tg%3Dkinder/malwettbewerb/&amp;source=gmail&amp;ust=1533203564350000&amp;usg=AFQjCNFocdCau4jYOwCTms6RJjlZqhOQgw">www.sternsinger.de/&lt;wbr&gt;malwettbewerb</a>
<h3>Kleben, malen, basteln für die Kinderrechte weltweit!</h3>
Ob digital oder am Basteltisch, alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland können ihre kreativen Ideen zum Thema „Kinderrechte“ in einem DIN A4-Format einsenden. Dabei kann allein oder auch in Klassenverbänden, Gruppen oder mit Freunden gestaltet werden.<br /><br /> <b>Einsendeschluss ist der 25. Oktober 2018.</b>
<h3>GEPA und Fairer Handel</h3>
Kinderrechte sind auch ein wichtiges Thema im Fairen Handel, den das Kindermissionswerk als GEPA-Gesellschafter unterstützt. Vor allem in Westafrika haben viele Kinder keinen Zugang zur Schulbildung, sondern werden im Kakao-Anbau ausgebeutet. Die GEPA arbeitet nach den zehn Prinzipien der World Fair Trade Organization u.a. faire Bezahlung und Maßnahmen gegen ausbeuterische Kinderarbeit&nbsp;<a href="http://ea.newscpt24.de/_la.php?&amp;nid=3717930&amp;sid=226793563&amp;lid=15835150&amp;enc=68747470733a2f2f7766746f2e636f6d&amp;tg=fair-trade/10-principles-fair-trade" target="_blank" title="Zu den 10 Prinzipien des Fairen Handels der WFTO" id="m_-2012386261714452947id177001806" data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&amp;q=http://ea.newscpt24.de/_la.php?%26nid%3D3717930%26sid%3D226793563%26lid%3D15835150%26enc%3D68747470733a2f2f7766746f2e636f6d%26tg%3Dfair-trade/10-principles-fair-trade&amp;source=gmail&amp;ust=1533203564351000&amp;usg=AFQjCNEWkobuSGv4Bgg31C5P42Ig33iPlg">www.wfto.de</a>. Den Kakao für die faire Kinderrechtsschokolade bezieht die GEPA von der Kakaogenossenschaft KONAFCOOP aus Kamerun. Sie zahlt KONAFCOOP-Preise, die über Fairtrade-Standards hinausgehen.
<h3>Für Kinder in über 100 Ländern</h3>
In über 100 Ländern setzt sich das Kindermissionswerk gemeinsam mit seinen Partnern für die Rechte von Kindern ein. Zentrale Forderungen dabei sind u.a.: Jedes Kind hat ein Recht auf einen Namen, auf eine gute Gesundheit, auf Bildung, auf Schutz vor Gewalt, auf Spiel und Freizeit, auf eine gesunde Ernährung, auf ein sicheres Zuhause, auf Schutz vor Ausbeutung und auf eine besondere Förderung bei einer Behinderung. Rund 2.200 Projekte für Not leidende Kinder weltweit werden jährlich vom Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ unterstützt.
<hr />
<h3>Zusammenfassung: Und so geht's</h3>
1. Informiere dich über die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf&nbsp;<link http://www.sternsinger.de/malwettbewerb>www.sternsinger.de/malwettbewerb</link>
<link http://www.sternsinger.de/malwettbewerb><br /> </link>2. Gestalte ein DIN A4-Blatt im Hochformat (kurze Seite oben) zum Thema „Kinderrechte“. Du kannst zeichnen, kleben, basteln, stempeln oder digital gestalten – gerne auch zusammen mit deinen Freunden oder Klassenkameraden. Rundherum solltest du am Rand 2-3 cm Platz lassen, weil das Bild an den Seiten noch ein wenig beschnitten wird, damit es gut auf die Schokoladenpackung passt.
3. Schick dein Kinderrechte-Bild bis spätestens 25.10.2018 an:
<i>Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘</i><i><br /> <i>Stichwort „Malwettbewerb“</i><br /> <i>Stephanstraße 35,&nbsp;</i><br /> <i>52064 Aachen</i></i>
<br /> oder maile es (Auflösung mindestens 300 dpi) an: kraus@sternsinger.de Um am Wettbewerb teilnehmen zu können, sende uns bitte das ausgefüllte Teilnahmeformular mit, das du unter&nbsp;<link http://www.sternsinger.de/kinder/malwettbewerb/>www.sternsinger.de/kinder/malwettbewerb/</link>&nbsp;findest. Mitmachen können alle Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren.&nbsp;]]></content:encoded>
			<category>Startseite</category>
			<category>Aktuelles</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 01 Aug 2018 11:59:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="https://www.weltundhandel.de/uploads/media/Malwettbewerb_Kinderrechte_GEPA_STERNSINGER.pdf" length ="3912392" type="application/pdf" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Was es uns wert ist...</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/spezialseiten/news/details/article/was-es-uns-wert-ist.html</link>
			<description>Geht durch ehrenamtliche Arbeit im Weltladen die Wertschätzung der Produkte verloren? Wie können Weltläden überleben, wenn immer weniger Menschen ehrenamtlich mitarbeiten möchten? </description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Die Zukunft der Weltläden hängt auch davon ab, wie sich die Struktur des Fairen Handels hinsichtlich der ehrenamtlichen Arbeit entwickelt. Eine Diskussion, die schon oft angefangen, aber nie zu&nbsp;</i><i>Ende gedacht wurde. Ein Appell einiger Weltläden hat sie nun erneut entfacht. Auch mehrere Workshops haben zu dem Thema stattgefunden. Doch was ist der Hintergrund?</i>
Zunächst einmal ist klar, dass der Faire Handel mit Weltläden und Aktionsgruppen von Beginn an auf ehrenamtliche Strukturen gesetzt hat. Da jedoch zunächst einmal die Bildungsarbeit im Vordergrund&nbsp;stand und weniger der Verkauf von Produkten, war die Situation eine völlig andere. Erst mit zunehmendem&nbsp;Verkauf, größer und professioneller werdenden Läden, Einrichtungen, Produkten und Kassensystemen nahm der Faire Handel Fahrt auf – unterstützt durch die ehrenamtliche Arbeit. „Die Arbeit im Weltladen ist heute eine&nbsp;attraktive Möglichkeit sich ehrenamtlich zu engagieren: Sie bietet sinnvolle und sinnliche Tätigkeiten, neue Bekanntschaften und Kompetenzen. Die Motivation für ein Engagement kann sehr unterschiedlich sein: Während junge Menschen Erfahrungen für das Berufsleben sammeln wollen, stehen für ältere Menschen die sozialen Kontakte im Vordergrund. Weltläden bieten für Männer und Frauen aller Altersstufen interessante Betätigungsfelder: Ob Einkauf, Ladendienst, Dekoration, Buchhaltung, Homepage, Öffentlichkeitsarbeit oder&nbsp;Bildungsarbeit – die Auswahl ist groß. Wichtig ist Art, Umfang und Dauer der Tätigkeit klar zu definieren, damit jeder und jede seinen Platz im Team finden kann.“ – heißt es bei der GEPA zum Thema Weltladen-Gründung. Und das stimmt ja auch – Ehrenamt in Weltladen und Aktionsgruppen ist grundsätzlich gut.
Gleichzeitig überfordern die heutigen Ansprüche aber auch manche Mitarbeiter*innen – sie gleichen der eierlegenden Wollmilchsau, denn sie müssen alles können. Im konventionellen Einzel-handel gibt es für jede Produktgruppe Expert*innen, die Weltläden bieten viele Produktgruppen gleichzeitig an, über die&nbsp;jede*r Mitarbeiter*in detailliert Bescheid wissen muss. Edith Bruckwilder von der Eine-Welt-&nbsp;Gruppe Dinslaken fragt sich: „Wie kann ich unseren Weltladen sicher in die Zukunft führen, wenn wir nicht in der Lage sind, ihn hauptamtlich zu führen? Es werden auf Dauer nicht mehr so viele freiwillige&nbsp;Mitarbeiter*innen da sein, deshalb muss dringend etwas Neues entstehen, das die Weltläden zukunftsfähig macht. Ich bin mir noch nicht sicher, was genau das sein kann, aber die Diskussion muss jetzt geführt werden.“ Edith Bruckwilder war im Juni auf den Weltladen-Fachtagen in Bad Hersfeld, hat dort den Workshop „Wunschtraum Fachgeschäft“ mitgemacht und konnte sich in der Debatte wiederfinden. „Der Faire Handel gleicht&nbsp;einer Pyramide – Importorganisationen, Netzwerke, Bildungsverbände, Trägergesellschaften – alle werden bezahlt, nur die Menschen in den Läden nicht! Das geht auf Dauer nicht gut!“.
Auch Claudia Greifenhahn, hauptamtliche Geschäftsführerin des Ladencafé AHA in Dresden meint: „Aus meiner Sicht muss der Wert der Produkte neu definiert werden. Ökonomisch betrachtet besteht der Wert aus der gesamten Wertschöpfungskette, in die auch das letzte Glied einberechnet werden muss. Und wenn man das letzte Glied nun ehrenamtlich vorsieht, dann betrachtet man den Wert nicht ökonomisch.“ Da kommt dann auch&nbsp;das für viele leidige Thema „Margen und Rabatte“ ins Spiel. Das Ehrenamt im Fairen Handel zu verpönen&nbsp;ist überhaupt nicht angedacht. Schließlich gibt es über die Ladendienste noch viele andere Möglichkeiten des&nbsp;Engagements. Petra Schürmann vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“: „Die kleineren Weltläden und Aktionsgruppen in eher dörflichen Strukturen arbeiten ja völlig anders als ein städtischer Weltladen. Ebenso denke ich an die steigende Zahl von Schulklassen und Schülerfirmen, die sich natürlich auch ehrenamtlich für&nbsp;den Fairen Handel engagieren.“ Da geht es weniger um Wirtschaftlichkeit, als um Bildungsarbeit. Der Faire Handel bietet die Möglichkeit, Unterrichtsinhalte praktisch und projektorientiert umzusetzen. Für Lucie-Maria Rodemann vom Agenda- Büro Dinslaken ist noch ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang wichtig:&nbsp;„Für uns in den Netzwerken und Gemeinden geht es gar nicht ohne die Ehrenamtlichen aus den Weltläden – wir brauchen sie für unsere Bildungsarbeit. Natürlich sehen wir die Problematik des Ladens, die Bildungssäule muss hingegen weiterhin ehrenamtlich geführt werden.“ Was also tun? Der Workshop in Bad Hersfeld hat jedenfalls&nbsp;dazu geführt, dass nun ein Runder Tisch gegründet wird, bei dem Vertreter*innen aus Weltladen, des Weltladen-Dachverbandes, der Fairtriebszentren und Fair-Handels-Beratung gemeinsam erarbeiten, wie Verbesserungen umgesetzt werden können. Insbesondere geht es darum, Möglichkeiten zu finden, Weltläden mit Hauptamtlichen professionell und wirtschaftlich zu führen und dabei die Vielfalt der Weltläden zu akzeptieren und wertzuschätzen.
Es geht um konstruktive Dialoge, um den Fairen Handel sicher in die Zukunft zu führen – mit hauptamtlich &nbsp;Mitwirkenden und gerne auch ehrenamtlich, wer mag.

<i>Gundis Jansen-Garz</i>
]]></content:encoded>
			<category>Startseite</category>
			<category>Hintergrund</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jul 2018 13:44:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Alles aus einer Hand</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/alles-aus-einer-hand.html</link>
			<description>Die Kaffee-Kooperative vertreibt Kaffee aus Ruanda,
der im Erzeugerland geröstet wird</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Kaffee-Kooperative.de ist das Berliner Start-up mit dem entscheidenden Unterschied:Die Rösterei steht dort, wo der Kaffee herkommt - in Kigali (Ruanda)und sie gehört den Bäuerinnen und Bauern,die den Kaffee anbauen. So erhalten die Partner kooperativen Zugang zum lokalen Markt. Dadurch verbleibt die gesamte Wertschöpfung aus der Kaffeeproduktion im Anbauland - lokal verarbeitetet und Fairtradezertifiziert.</i>
2014 lernten sich die Entwicklungs- und Klimaschutzexperten Allan Mubiru aus Ruanda und Xaver Kitzinger aus Deutschland durch die gemeinsame Arbeit in Berlin kennen. Als Xaver später in Ruanda arbeitete, genoss er den einheimischen Kaffee, den man dort in bester Qualität im Supermarkt kaufen kann. Er stellte sich die Frage, wie es gehen könne, guten Kaffee aus Ruanda, der auch dort geröstet und verpackt wird,in Deutschland zu vermarkten. „Ich war begeistert von der Idee, den Kaffeebäuerinnen und -bauern die Möglichkeit zu geben, ihren hervorragenden Kaffee als Fertigprodukt bei uns zu verkaufen. Nach einigen Überlegungen und Kontaktaufnahmen zu Kaffeekooperativen sind wir auf ‚Rwashoscco‘ gestoßen, ein Dachunternehmen, hinter dem sechs Kooperativen stehen.“ Deren Philosophie: Die Mitglieder erledigen alles gemeinsam, vom Anbau über die Ernte und Röstung bis hin zur Vermarktung ohne irgendwelche Zwischenhändler. So können die Kooperativen ein höheres Einkommen erzielen als in der Branche üblich. Der Kaffee ist Fairtrade zertifiziert, was zunächst nicht so einfach war, wie Xaver Kitzinger erzählt: „Es ist im System von Fairtrade nicht vorgesehen, auch die Röstung im Anbauland zu belassen. Die Kooperativen waren bereits gesiegelt, aber die Rösterei musste noch nacharbeiten. Aber wir haben es geschafft, und sind froh, das Siegel nun auch auf die Verpackungen drucken zu können.“ 2015 gründeten Xaver und Allan in Berlin dann das deutsch-ruandische Startup Kaffee-Kooperative.de. Die Prämien werden von den Mitgliedern eingesetzt. „Wir halten uns da komplett raus. Die Bäuerinnen und Bauern wissen selbst am besten, was benötigt wird. So konnten eine Schule gebaut, Kühe für den Eigenbedarf und den Dung für die Kaffeepflanzen und neue Maschinen für die Rösterei angeschafft werden“, erklärt Xaver Kitzinger. Zu den Kooperativen gehört auch Kopakama, von wo El Puente ihren Ruanda-Kaffee bezieht.
Zurzeit arbeitet die Kaffee-Kooperative an der Einführung des Frauen-Kaffees „Angelique´s Finest“, benannt nach der Leiterin von ‚Rwashoscco‘, Angelique Karekezi. Dieser Kaffee wird ausschließlich von Frauen angebaut, geerntet und weiterverarbeitet. Das ist in Ruanda nicht verwunderlich, sind es doch seit dem Genozid vor allem Frauen, die die Familien ernähren müssen. Vertrieben wird der Kaffee bislang fast ausschließlich über den online-shop. Einige Weltläden, wie der in Köpenik, Hamburg und Göttingen haben ihn aber schon im Sortiment. „Das möchten wir natürlich ausweiten und sind gerade dabei, Kontakte zu knüpfen.“
Mit dem 3. Platz bei der diesjährigen Verleihung des Fairtrade Awards fühlt sich die Kaffee-Kooperative mehr als geehrt. Auch wenn Aldi den Award gewonnen hat, ist es für uns eine große Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Xaver Kitzinger.
<i>Gundis Jansen-Garz</i>]]></content:encoded>
			<category>Hintergrund</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Apr 2018 15:11:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Kakao braucht stabile Preise</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/kakao-braucht-stabile-preise.html</link>
			<description>Welt-Kakao-Konferenz in Berlin –
Die katastrophalen Arbeitsbedingungen im Kakaosektor bleiben</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Die 4. Welt-Kakao-Konferenz findet vom 22. bis 25. April in Berlin statt. Es werden 1.500 Teilnehmer*innen aus 65 kakaoproduzierenden und -konsumierenden Ländern erwartet. Damit ist die Konferenz das größte internationale Event, beidem sich Vertreter*innen der Schokoladenindustrie,der Politik, der Zivilgesellschaft,des Handels und von Kakaobauern organisationen über die neuesten Entwicklungen und Herausforderungen im Kakaosektor austauschen.&nbsp;</i>
Doch können die Teilnehmenden der Konferenz darüber entscheiden, ob es wegweisende Verbesserungen für die Kakaobäuer*innen geben wird? Wie sieht die Zukunft der Schokolade aus? Die Wertschöpfungskette der Schokola-de ist lang. Ganz am Anfang dieser Kette stehen Millionen von Kleinbäuer*innen sowie Erntehelfer*innen. Sie leben zu-meist an der Armutsgrenze, weil in den<br />Anbauländern – der Elfenbeinküste und Ghana zum Beispiel – Landwirtschaft<br />keine Lobby hat, in abgelegenen Gegen-den betrieben wird und die Menschen<br />wenig oder keine Bildung erhalten. Die Preise, die mit Kakao erzielt werden können, sind so niedrig, dass keiner davonwirklich leben kann. Das führt dazu,dass Kinder auf den Feldern arbeiten statt zur Schule zu gehen. Der Kreislauf geht seit Jahrzehnten immer so weiter.
Dabei ist die Arbeit aufwendig und hart. Die pfundschweren Früchte des Kakaobaums werden gleich nach der Ernte mit Macheten aufgeschlagen. Danach folgt die Fermentierung, das heißt, die weißen Bohnen werden in Bananenblättern oder ähnlichen Hüllen mehrere Tage gelagert.Während dieses Gärungsprozesses müssen die Bohnen gelüftet und gewendet werden, um anschließend im Freien zutrocknen, wenn sie nicht auf Feuer geröstet werden, was die Qualität massiv verschlechtert. Das alles ist Handarbeit und man braucht viele Hände. Also auch Kinderhände. „Solange die Preise so niedrig sind, können die Bäuerinnen und Bauern keine Erntehelfer bezahlen, die Ernte muss aber eingebracht werden,um überhaupt etwas zu verdienen.
Das führt dazu, dass die eigenen Kinder aus der Schule genommen werden, um mitzuhelfen“, sagt Johannes Schorling von der INKOTA-Kampagne „Make Chocolate Fair&quot;. Lagen die Preise im Sommer 2016 noch bei etwas mehr als 3.000 US-Dollar pro Tonne Rohkakao, so sind sie in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. „Zwar steigen die Preise jetzt wieder leicht an, aber Studien haben belegt, dass selbst 3.000 Dollar nicht reichen, um das existenzsichernde Einkommen der Bäuerinnen und Bauern zu sichern“, sagt auch Friedel Hütz-Adams, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kakao-Experte beim Institut Südwind.
<h3>Mehr nachhaltiger Kakao bedeutet nicht automatisch höhere Preise</h3>
„Auch wenn Unternehmen, Regierungen und die Entwicklungszusammenarbeit eine Vielzahl von Projekten anstoßen, um die Situation der Betroffenen zu verbessern, so hat sich an der Situation der Menschen in den Kakaoanbaugebieten Westafrikas bisher wenig geändert“, so Friedel Hütz Adams. Auch Kakaoprogramme in&nbsp; Kooperation mit standardsetzenden Organisationen sind häufig auf eine Steigerung der Produktivität ausgelegt – die Bäuerinnen und Bauern können mehr Kakao über das Zertifizierungsansätze wie das Fairtrade-Programm absetzen, aber die Preise erhöhen sich dadurch nur marginal. Und, so Hütz-Adams, es komme zu&nbsp; Kakaoüberschuss, was wiederrum zu sinkenden Preisen führt. Es gehe um existenzsichernde Einkommen, um Vorfinanzierungen und einen fairen Preis. Außerdem: „Der Klimawandel macht auch den Bäuerinnen und Bauern in Westafrika zu schaffen. Wenn die Temperaturen steigen und der Niederschlag unregelmäßiger wird, hat das Auswirkungen auf die Produktivität und die Qualität des Kakaos. In Bolivien beispielsweise konnten Bäuerinnen und Bauern durch eine gezielte Aufforstung in einem Agroforst-Bio-Projekt viel höhere Einkommen erzielen, doch das geht nicht überall, weil die Investitionen zu hoch sind, die Gewinnmargen zu niedrig und die Bäuerinnen und Bauern diese Investitionen nicht stemmen können“, sagt Friedel Hütz-Adams. „Wir brauchen klare menschenrechtliche Vereinbarungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Schokolade. Das geht nur mit den Schokoladenunternehmen, die dann höhere Preise zahlen müssen.“ Ein gefunden werden, um existenzsichernde Einkommen zu erzielen. Auch ist die Entwaldung, die im Zusammenhang mit Kakaoanbau geschieht, eines der zentralen Probleme, für die bei der Welt-Kakao-Konferenz Lösungen gefunden werden müssen.“
<h3>Forum Nachhaltiger Kakao ist kein Entscheidungsgremium</h3>
Das Forum Fairer Handel (FFH) ist Anfang des Jahres dem Forum Nachhaltiger Kakao beigetreten. Ziel des 2012 gegründeten Kakao-Forums ist es, die Lebensumstände der Kakaobäuer*innen und ihrer Familien zu verbessern sowie den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen. Im Kakao-Forum sind die deutsche Bundesregierung, die Süßwarenindustrie, der Lebensmittelhandel und zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten. Mit seiner Mitgliedschaft im Kakao-Forum verbindet das FFH klare Zielsetzungen: „Um Hunger, Armut und missbräuchliche Kinderarbeit im Kakaosektor zu beenden, müssen existenzsichernde Einkommen erreicht werden“, erklärt Andrea Fütterer. Doch kann das Kakao-Forum das erreichen?
Wilfried Wunden von MISEREOR sieht das kritisch: „Der Dachverband der Nichtregierungsorganisationen in Deutschland (VENRO) hat Kriterien festgelegt, ab wann Dialogforen zwischen Bundesregierung, Zivilgesellschaft und Unternehmen wirklich Sinn machen und ab wann eine Mitwirkung eher nachteilig ist, da keine Verbesserungen für die Produzent*innen oder Kleinbäuer*innen zu erreichen sind. Das Kakao_Forum erfüllt fast keine dieser notwendigen Voraussetzungen.“ Die Zivilgesellschaft habe kaum Einfluss auf die Kommunikation des Bündnisses und auch kein Veto-Recht bei wichtigen Beschlüssen. Es gebe keine Unterscheidung des Bündnisses ob Produkte ein schwaches Nachhaltigkeitszertifikat haben oder wirklich Fairen Handel betreiben, bspw. über Fairtrade. So werden eine ISO Norm oder ein Rainforest-Zeichen als „Nachhaltiger Kakao“bezeichnet. „Derweil wird Westafrika durch den industrialisierten Kakaoanbau defacto entwaldet und damit auch für die folgenden Generatione von Kakaobäuerinnen und -bauern ökologisch verwüstet.“ Die Schweizer NGO Public Eye hat kürzlich berechnet, dass in Westafrika den Bäuerinnen und Bauern pro Tonne verkauftem Kakao gerade einmal 6,6 Prozent des Verkaufspreises verbleiben, während die Schokoladenhersteller satte 35,2 Prozent abschöpfen. Die ausbeuterische Kinderarbeit in Ghana und der Elfenbeinküste ist weiter angestiegen. Wilfried Wunden: „Da muss jetzt endlich gehandelt werden und die Unternehmen müssen in die Pflicht genommen werden.
<i>Gundis Jansen-Garz</i>
<hr />
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			<category>Hintergrund</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Apr 2018 13:45:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wohin mit den Erlösen?</title>
			<link>https://www.weltundhandel.de/hintergrund/details/article/wohin-mit-den-erloesen.html</link>
			<description>Fairer Handel als Wohltätigkeitsbewegung oder Handelspartnerschaft?</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>„Wenn ihr uns gerechte Preise zahlt, könnt ihr Eure Almosen behalten“ - Dieses Zitat des brasilianischen Bischofs Dom Helder Camara prägt seit vielen Jahrzehnten den Fairen Handel und wird oft von Weltläden und anderen FairHandels-Akteuren für die Vermittlung der eigenen Arbeit verwendet. Vor allem zum Jahresanfang und spätestens nach dem Jahresabschluss stellen sich viele Weltläden die Frage, wie und wofür sie ihre Gewinne verwenden wollen.&nbsp;</i>
Obwohl der Faire Handel sich als Handelspartnerschaft versteht, spenden viele Weltläden die Gewinne an Projekte, oftmals ohne klare Bezüge zum Fairen Handel. Wäre eine Investition in die eigenen Ladenstrukturen nicht besser? Von den 236 Weltläden, die 2017 am Weltladen-Monitoring teilgenommen haben, gaben 85 Weltläden an, einen Teil ihres Rohertrags an Fair-HandelsPartner (Produzent*innen) gespendet zu haben. 109 Weltläden gaben an, dass sie an andere Organisationen außerhalb des Fairen Handels gespendet haben. Insgesamt wurden in 2017 laut&nbsp;Weltladen-Monitoring 177.944,00 Euro vom Rohertrag in den Fairen Handel und 303.345,55 Euro an andere Empfänger gespendet. 
Es ist zu vermuten, dass von den insgesamt 800 Weltläden in Deutschland eine Summe von mehr als 500.000 Euro im vergangenen Jahr aus dem Fairen Handel heraus gespendet wurde. Dabei reicht die Bandbreite von Kinderarmut, Umweltschutz, Gesundheitsförderung bis zu weiteren caritativen Spenden. Das ist bedenklich in verschiedener Hinsicht; vor allem da Weltläden und Fair-Handels-Organisationen vor großen Herausforderungen stehen und sich auf dem Markt behaupten müssen. Gelder, die aus dem Gewinn der Weltläden an einzelne Projekte im globalen Süden fließen, fehlen den Läden für Reinvestitionen in den eigenen Laden. Dadurch stagniert oder sinkt oft der Verkauf, der Laden veraltet und verliert an Attraktivität. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Absatz der Produzent*innen.
Aus entwicklungspolitischer Sicht ist es sinnvoll, in die Professionalisierung des Weltladens, die Bildungs- oder Kampagnenarbeit zu investieren. Sollen darüber hinaus noch Spenden an Partnerprojekte gegeben werden, ist es wichtig, einen Blick auf die langfristigen Wirkungen des Projektes zu werfen und darauf zu achten, dass es sich um eine Partnerschaft auf Augenhöhe handelt. Viele Weltläden spenden an Projekte, die bereits von den Gründer*innen angestoßen wurden und bei denen es eine hohe Identifikation gibt. Hier sollten Weltläden genau auf die Seriosität und nachhaltige Wirkung der Projekte achten und die Sinnhaftigkeit ihrer Spende immer wieder überprüfen.&nbsp;
<h3>Handelspraxis und Gewinnverwendung laut Weltladen-Konvention</h3>
Die Präambel der Weltladen-Konvention von 2010, die das Selbstverständnis für die Mitglieder des Weltladen-Dachverbandes ist, beinhaltet klare Ziele in Bezug auf die Handelspraxis. „Der Faire Handel zeigt beispielhaft auf, wie die ökonomischen, ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen innerhalb des Weltwirtschaftssystems verändert werden können, und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die weltweite Armut. Die Organisationen des Fairen Handels arbeiten besonders mit Kleinproduzent*innen zusammen mit dem Ziel, deren wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu erreichen.“ Weiterhin ist in der Konvention vereinbart, dass alle Fair-Handels-Akteure nach der Vergrößerung ihres Handelsvolumens streben sollten, um eine Einkommenssteigerung und einen&nbsp;Zugewinn an sozialer Sicherheit für die Produzent*innen zu erreichen. Erwirtschaftete Überschüsse sollen vorrangig in die Strukturen des Fairen Handels reinvestiert werden. Soweit dies sinnvoll ist, hat die Wertschöpfung im Ursprungsland zu erfolgen.&nbsp;Darin wird deutlich, wie die Weltläden mit den erwirtschafteten Gewinnen umgehen wollen.
Wenn nun ein beachtlicher Teil der Gewinne eines Weltladens in viele kleine Projekte fließt, die nichts mit dem Fairen Handel zu tun haben, dient das zunächst einmal nicht den Beteiligten entlang der (fairen) Lieferkette. Fairer Handel ist in erster Linie aber eine Handels-Partnerschaft. Es geht darum, Produzent*innen darin zu unterstützen, durch ihre Arbeit ein würdiges&nbsp;und selbstständiges Leben zu führen, indem ihre Leistung anerkannt wird. Nur eine Änderung der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen kann langfristig unser ungerechtes und auf Konkurrenz und Wachstum ausgerichtetes Weltwirtschaftssystem ändern. Selbstverständlich leisten die Weltläden mit ihrem Verkauf, ihrer Kampagnen- und Bildungsarbeit nur einen kleinen Beitrag dazu. Aber je besser und professioneller ein Weltladen aufgestellt ist, desto zukunftsfähiger ist er auch und desto mehr kann er zu einer langfristigen und gerechten Handelspartnerschaft beitragen.
<h3>Spendenwerbung von Fair-Handels-Organisationen </h3>
Die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft widmete sich in einem Newsletter vom August 2016 dem Thema Spenden. Um der Zielsetzung des Fairen Handels, den Partnern*innen und auch deren Ideen und Wünschen an die Weltläden gerecht zu werden, sind aus Sicht von dwp vor allem Investitionen in die eigenen Absatzstrukturen nötig. Die Weltladen sollten daher bei der Verwendung der erzielten Überschüsse immer die Schaffung nachhaltiger, fairer Einkommen im globalen Süden im Fokus haben. Dabei helfe zuallererst die Investition aus den erzielten Gewinnen in die eigene Absatzstruktur, in das Fachgeschäft mit Ladenausstattung, die Weiterbildung und das Fachwissen der Mitarbeiter*innen.
Dennoch gibt es von Seiten verschiedener Fair-Handels-Importeure immer wieder Spendenaufrufe für Kooperativen und Handelspartner. Im Jahr 2016 initiierte dwp beispielsweise eine Spendenaktion für seinen Partner Panay Fair Trade Center auf den Philippinen, nachdem der Tsunami die dortige Zuckermühle zerstört hatte. Das Beispiel zeigt dennoch deutlich die Herausforderungen, vor denen der Faire Handel steht. Zwar konnte mit der beeindruckenden Spendenbereitschaft der Weltläden eine neue Zuckerrohrmühle aufgebaut werden, aber nach eineinhalb Jahren stellen die Verantwortlichen ernüchternd fest, dass der Absatz des hochwertigen Mascobado Zuckers stagniert und der zusätzlich produzierte Zucker nicht in den Weltläden abgesetzt werden kann.&nbsp;
dwp beteiligte sich auch an der Landkaufkampagne „Gutes Land für Fairen Rooibos“, die im Sommer 2016 den Kauf von weiterem Land für die Kooperative Heiveld in Südafrika ermöglichte. Mit dem erfolgreichen Kauf der 2.497 ha großen Blomfontein Farm wurden u.a. die Teeverarbeitungsanlage und das Lager für lange Zeit gesichert und die vielfältige und einzigartige Landschaft geschützt. Hierlässt sich ein direkter Nutzen für Fair-Handelsparter*innen im Süden nachweisen.
Auch BanaFair hat vor einigen Wochen zu einer Spendenaktion aufgerufen: Auf zwei Palmölplantagen der Unternehmensgruppe JAREMAR streiken 320 Gewerkschaftsmitglieder für grundlegende Arbeits- und Menschenrechte. Die Streikenden erhalten seit vielen Wochen keinen Lohn. Die Gewerkschaften riefen zur internationalen Solidarität mit den Streikenden auf. BanaFair möchte 3.000 Dollar für den Kauf von Lebensmitteln beitragen. Die zeitliche begrenzte Aktion soll die Gewerkschaften, die seit vielen Jahren mit BanaFair kooperieren, darin unterstützen, ihre Rechte durchzusetzen.&nbsp;
So sinnvoll viele Spendenaktionen in solchen Notsituationen auch sind, stellt sich die Frage, ob Fair-Handels-Importeure zukünftig eher Konsument*innen bzw. Kund*innen im Weltladen statt die Weltläden in den Blick nehmen. Diese könnten dann Kund*innen auf die Spendenaktion hinweisen und darauf ansprechen. Gewinne aus dem Verkauf des Weltladens sollten hierfür aber nicht verwendet werden. Oder eben erst dann, wenn die nötigen Investitionen für die Zukunft des Weltladens bereits eingeplant wurden.
<h3>Argumente für die Investition in die eigenen Strukturen </h3>
Verschiedene Akteure wie Produzent* innenorganisationen, Fair-Handels-Importeure, Hilfswerke oder der Weltladen-Dachverband sind der Meinung, dass Weltläden zunächst einmal in die eigenen Strukturen investieren sollten, bevor sie über Spenden nachdenken. Ein höherer Umsatz im Weltladen bedeutet, dass die Produzent*innen mehr Produkte im Fairen Handel verkaufen, was sich positiv auf ihre Lebensumstände auswirkt. Investitionen im Weltladen, z.B. im Marketing, in der Ladengestaltung, in der Weiterbildung des Personals oder in einen Umzug an einen besseren Standort, tragen zur Zukunftsfähigkeit bei und leisten einen wirksamen Beitrag im Fairen Handel.
Fairer Handel bedeutet auch, dass die Mitarbeiter*innen in den Weltläden bezahlt werden sollten. Auch hier sind Investitionen sinnvoll, wie etwa durch die Schaffung einer Teilzeitstelle für die Ladenkoordination, auch wenn die Margen hierfür oft nicht ausreichen. Österreich ist in dieser Sache Vorreiter – hier haben bereits nahezu alle Weltläden hauptamtliche Mitarbeiter*innen. Nicht zuletzt sollten Überschüsse nach der Investition in den eigenen Laden sinnvoll für den Weltladen-Dachverband verwendet werden, auch über eine Mitgliedschaft hinaus. Momentan sind nur die Hälfte der deutschen Weltläden Mitglied im Dachverband, der sich nur zu einem Drittel aus Mitgliedsbeiträgen finanziert und stark von Drittmitteln abhängig ist. Um seine Angebote weiter auszubauen und eine starke Position einzunehmen, ist daher eine finanzielle Beteiligung von Weltläden wichtig. 
<i>Achim Franko</i>
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<h3>Zum Weiterlesen: </h3>
<b>Handreichung der Fair-Handels-Beratung:</b> Spenden und Engagement im Fairen Handel, Februar 2018 
Newsletter Nr. 6 / August 2016 von dwp Living Wages im Fairen Handel. Forum Fairer Handel, Berlin, 2016. 
Wer anderen einen Brunnen gräbt. Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag, Berlin, 2012]]></content:encoded>
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			<pubDate>Wed, 04 Apr 2018 14:28:00 +0200</pubDate>
			
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